Warum für Online-Journalismus auch in Zukunft nicht gezahlt werden wird.

Das Thema „Gratis-Kultur“ im Netz im Zusammenhang mit Journalismus wird ja schon lange diskutiert, in letzter Zeit wieder verstärkt durch den Vorstoß von Rupert Murdoch (siehe z.B. im SPIEGEL (pdf)), den Überlegungen von Springer-Chef Döpfner zu kostenpflichtigen mobilen Inhalten (im FAZ-Interview) und den folgenden Kommentaren in den Blogs (z.B. Indiskretion Ehrensache oder Lobo vs. Disselhoff).

Ich befürchte aber, trotz aller Diskussionen wird das nichts mehr mit bezahlten Nachrichten im Netz. Zumindest nicht mit journalistischer Brot-und-Butter-Kost. Denn dafür gibt es ein paar sehr fumdamentale Gründe:

Das Web konvergiert zu TV, nicht zu Print

Während in den ersten Jahren des Internets hauptsächlich Texte aus Print-Produkten im Web zu finden waren, konvergiert mit zunehmender Bandbreite und Rechenleistung das inhaltliche Angebot mit Audio, Animationen und Videos immer mehr zum Fernsehen. Hinzu kommt, dass sich die Technik der Inhaltedistribution von Internet und TV mit Hochgeschwindigkeits-DSL und Video-Streaming angleicht. Das Internet wird immer mehr zum Fernsehen und das Fernsehen baut Elemente des Internets in sein Programm ein. Das Fernsehen wird deshalb seine Bedeutung weiter halten können und nicht in dem Maße Reichweite abgeben müssen, wie das zurzeit Print erleben muss.

Das bedeutet aber auch, dass die Refinanzierung des Online-Journalismus (wenn es diese Trennung in Zukunft überhaupt noch gibt) bei den TV-Sendern weiterhin aus den Werbeeinnahmen ihrer TV-Kanäle erfolgen kann (oder im deutschen Sonderfall sogar gebührenfinanziert ist). Für die Internet-Nutzer bleiben diese Inhalte daher weiterhin kostenfrei.

Kostenfreie Nachrichten werden als Lockmittel eingesetzt.

Schaut man sich heutzutage die Portalseiten der Online-Zugangsanbieter wie T-Online, web.de oder Freenet an, so findet man dort ebenfalls die neuesten Nachrichten, kostenfrei. Hier werden diese als Werbemittel eingesetzt, um die Nutzer zum Abschluss der entsprechenden DSL- oder anderen Verträge zu gewinnen. Journalistische Inhalte als Lockmittel sozusagen. Dem Nutzer kann es egal sein – er bekommt seine Nachrichten kostenfrei.

Die First Mover können von der Werbefinanzierung leben.

Auch und gerade im Internet verstärken sich First Mover Advantage und Netzwerkeffekt – hier mahlen die, die zuerst kommen, wirklich zuerst. Angebote wie Spiegel Online, die sehr früh mit dem Online-Journalismus begonnen haben und in den ersten Jahren viel in den Aufbau ihrer Präsenzen investiert haben, stehen jetzt sehr gut da. Sie können dank ihrer großen Reichweite mit reiner Werbefinanzierung profitabel arbeiten und würden nur ihr Geschäftsmodell zerstören, würden sie Teile ihrer Inhalte hinter einer Bezahl-Wand verstecken.

Das Fazit: Keine Chance für bezahlte Nachrichten

Das Resumee liest sich für die Murdochs und Döpfners ernüchternd: Das journalistische Brot-und-Butter Geschäft wird auch in Zukunft kostenfrei im Web verfügbar sein. Versuche, einzelne Angebote nur gegen Bezahlung freizugeben, wird die Leser zur freien Konkurrenz treiben. Im Web ist diese bekanntermaßen nur einen Mausklick entfernt. Ich bin gespannt, wann sich diese Erkenntnis bei den Entscheidungs- trägern der Print-Häuser durchsetzt und wie viele gescheiterte Bezahl-Versuche wir noch erleben dürfen.