iPad und NexusOne: Apple und Google sind sich einig über die Zukunft des Webs

Gestern stellte Steve Jobs das langersehnte und schon im Vorfeld mächtig gehypte iPad vor. Die Bewertungen bisher sind unterschiedlich, einige sind enttäuscht ob der fehlenden Features (eine Übersicht bei derStandard.at), andere bemängelten die ausbleibende Lösung der Probleme der Verleger bei der digitalen Vermarktung ihres Contents (so z.B. Carta), und die Apple-Jünger finden das Gerät wie erwartet genial (siehe die Kommentare bei Apfeltalk).

Ich halte es mit der Einschätzung wie Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache): Das iPad ist ein klasse Gadget, welches die Nutzung des Webs und digitaler Inhalte viel besser in das tägliche Leben integriert, als es PC, Notebook oder Netbook tun. Und es ist (wie so ziemlich alles von Apple) cool. Allein deshalb wird sich das iPad durchsetzen. Dass Apple dieses mal nicht das Internet revolutioniert hat – was soll’s. Nach iPod/iTunes und iPhone/AppStore war die Kombination iPad/iBook irgendwie zu erwarten. Man kann ja auch nicht alle naselang das Web neu erfinden.

Apple und Google im Gleichklang

Was ich am Launch des iPad noch spannender als die Diskussion um Functions & Features finde, ist die konsequente Umsetzung der dahinterliegenden Apple-Strategie – und die Übereinstimmung mit den Ansichten von Google. Amir Kassaei hat Apples Vision treffend mit “Digital Lifestyle Strategy” bezeichnet. Ihre Kurzform: Apple will die Nutzung der digitaler Infrastruktur allen Menschen – nicht nur den technik-affinen – ermöglichen und schneidet daher Endgeräte, Software, Prozesse und Design äußerst konsequent auf dieses Ziel zu. Das Ergebnis sind schlanke iPods/Phones/Pads, die sich extrem einfach bedienen lassen und zudem sehr eng mit dem Web verbunden sind.

Der Erfolg bestätigt Apple in der Richtigkeit seiner Strategie. Und Google steuert in die gleiche Richtung. Mit Chrome als Browser und Betriebssystem, Android als Mobilplattform und dem NexusOne als erstes eigenes Endgerät verfolgt der Suchmaschinengigant ebenfalls das Ideal des schlanken, auf Webdienste ausgerichteten Dienstes. Und wie auch in der hervorragenden Analyse von Christoph Kappes sehr stringent hergeleitet zu lesen ist, versucht Google damit die gesamte Wertschöpfungskette von den Inhalten bis zum Endnutzer unter Kontrolle zu halten – genau wie Apple. Der Unterschied ist nur, dass Apple am Inhalteverkauf direkt verdient, Google hingegen “nur” an der Schaltung von Werbung parallel zur Nutzung der Inhalte. Daher kann Google auch kein Interesse haben, dass sich ein geschlossenes System wie das von Apple durchsetzt.

In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Großen dann doch. Ich bin gespannt, was der nächste Schritt von Google ist.