Der TRIGEMA-Aufreger: Wie man im Social Web Wellen schlägt und sie wieder beruhigt.

Die letzten Tage gab es einige Aufregung um ein Interview des Blogs innovativ-in.de mit Wolgang Grupp, dem Inhaber von TRIGEMA. Darin antwortete Grupp auf die Frage “Was sagen Sie zu Social Media?” mit

Ich beschäftige mich damit nicht. Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten. Haben die Menschen eigentlich nichts Besseres zu tun, als über belanglosen Kram zu schreiben? Wen interessiert das?

Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung aus, im Blog wurden 170 Kommentare geschrieben und der Artikel 698 mal bei Twitter zitiert. In der Übersicht bei Radian6 sah es folgendermaßen aus: Die 980 Treffer verteilen sich – nicht überraschend – zu 95,7% auf Twitter und nur 3,3% auf Blogs:

Verlauf der Diskussion

 

Verteilung der Treffer

 

Ich kann nur sagen: Respekt zu der Leistung! Man kann die Social Media-Gemeinde ja auf mehrere Weisen reizen und damit aktivieren, und zwar

  • wenn man sie zensieren will (Nestle),
  • wenn man sie durch unangemessene Abmahnungen provoziert (Jack Wolfskin et al.) oder
  • wenn man sie beleidigt.

Dabei spielen noch Nebenfaktoren wie Bekanntheit, Image und Größe der handelnden Unternehmen eine Rolle. Wolfgang Grupp ist (bewusst oder unbewusst) den letzten Weg gegangen und er hat es geschafft, in kürzester Zeit eine große Welle im Social Web zu erzeugen.

Übrigens finde ich es immer wieder erstaunlich, wie leicht erregbar die Netzgemeinde ist. Wenn ein Mann wie Wolfgang Grupp im gleichen Interview zugibt, dass er dem Internet kritisch gegenübersteht und dementsprechend sich wenig damit beschäftigt, dann ist es sonnenklar, dass er Twitter kaum intensiver genutzt, somit nicht verstanden haben und ergo keine qualifizierte Meinung darüber abgeben kann. Insofern sollte man seine Aussagen eigentlich nicht zu persönlich nehmen. Oder wie ernst nimmt man so einen Spruch von einen Mann, der seit gefühlten 20 Jahren den gleichen schlecht synchronisierten Affen zur allerbesten Werbesendungszeit seine T-Shirts anpreisen lässt?

(Nebenbemerkung: Abseits vom Internet ist Herr Grupp mit Trigema sehr erfolgreich, und das seit langer Zeit. Seine unternehmerischen Fähigkeiten sind daher unbestritten. Ich persönlich habe großen Respekt davor.)

Nun könnte diese Geschichte so weitergehen wie in letzter Zeit häufig erlebt. Das Unternehmen distanziert sich vom Interview, man sei falsch verstanden worden, usw usf. Diesmal ist es anders: Wolfgang Grupp schreibt ein Statement an innovativ-in.de, in dem er seine Aussagen nicht revidiert, aber einordnet:

“Wir haben auch über Social Media gesprochen, unter anderem über Twitter. Dies ist sicher eine sehr zeitgemäße Kommunikationsmöglichkeit, aber es wird damit auch viel Unfug verbunden und ich habe erklärt, dass ich gewisse Leute nicht verstehe, weil sie jeglichen Unsinn in die Welt hinaus verbreiten und habe diese Leute dann salopp mit Idioten verglichen, die vielleicht nichts besseres zu tun haben, als solchen belanglosen Kram anderen mitzuteilen. Die sollte keine Generalisierung werden. Ich habe nämlich klar gesagt, dass alles positiv genutzt werden kann, genauso wie negativ und habe im Prinzip die negative Nutzung einer positiven Einrichtung kritisieren wollen.”

Im Anschluss daran entschuldigt er sich bei denen, die sich durch seine Aussagen beleidigt gefühlt haben. Wären die Reaktionen anderer Unternehmen doch auch so! Übers Ziel hinausgeschossen, Ärger ausgelöst, schnelle Reaktion mit Richtigstellung und ggf. Entschuldigung. Ergebnis: Die Sache ist aus der Welt. Gratulation, Herr Grupp!