Die Fußball-Bundesliga im Facebook-Check: Bayern weit vor Dortmund

(Update siehe Ende des Textes) Stefan Reinermann von r2medien hat die Facebook-Auftritte der Bundesliga-Clubs unter die Lupe genommen (Update: Den Artikel in voller Länge gibt es jetzt bei den Westfälischen Nachrichten). Das Ergebnis: Bei der Anzahl der Fans dreht der FC Bayern München den derzeitigen Tabellenstand um und führt mit großem Abstand vor den Verfolgern aus Dortmund. Aber auch die Clubs auf den Plätzen drei bis sieben haben bereits knapp oder über 100.000 Fans auf ihren Seiten versammeln können.

Inhalte gut, Interaktion ausbaufähig

Ich habe mir die Vereinsseiten einmal unter dem qualitativen Aspekt angeschaut – zu sehen an den Daumen in den Spalten Inhalte, Interaktion und Design. Während die Inhalte und das Design überwiegend von den bestehenden Homepages der Vereine übernommen werden und damit gut und professionell daherkommen, gibt es doch in der eigentlichen Domäne von Facebook, der Interaktion mit den Fans, einigen Nachholbedarf. Nur wenige Vereine antworten auf die Kommentare auf ihrer Pinnwand, einige lassen sogar beleidigende Sprüche oder nervende Mehrfachposts stehen. Auch wenn gerade bei den großen Fanpages natürlich nicht jeder Kommentar einer Reaktion bedarf, ließe sich durch mehr Kommunikation deutlich mehr Nähe zu den eigenen Fans herstellen.

Die Facebook-Tabelle der Bundesliga

Die Auswertung hat bereits einige Fans gefunden – z.B. auf den Facebook-Seiten vom 1. FC Köln.

Update 2.2.2011: Christoph Salzig hat in seinem Kommentar auf einige interessante Interviews zum Thema hingewiesen – besten Dank! Für den schnelleren Zugriff nehme ich die Links einmal hier auf:

Kontext, Content und Social Media bestimmen die Zukunft des digitalen Publizierens

Wenn man sich die wichtigsten Entwicklungen des letztes Jahres im Bereich Online/Medien/Kommunikation anschaut, so stechen zwei heraus: Social Media verändert das Kommunikationsverhalten im Web grundlegend und nachhaltig, und das mobile Web wächst mit iPad und Smartphones in beeindruckender Weise. Beide Trends sind bereits so ausgeprägt, dass sie (teilweise noch gar nicht so) alte Märkte verändern und neue begründen.

Das allein ist schon spannend genug – besonders interessant wird es damit für das digitale Publizieren und die Verlage. Hier ist ein Gutteil der Branche kaum im Online-Zeitalter angekommen, geschweige denn hat ein tragfähiges Geschäftsmodell als Ersatz für die wegbrechenden Print-Umsätze entwickelt. Nun steht schon die nächste Revolution vor der Tür – und diese hat erhebliche Auswirkungen auf Ausrichtung, Arbeitsweise und Produkte der Inhalte-Produzenten. Um bei den anstehenden Umwälzungen erfolgreich zu sein, gilt es, insbesondere drei Erfolgsfaktoren zu beachten und seine Organisation darauf auszurichten: Kontext, Content und Social Media.

Wachstum des mobilen Webs

Internet trends report von Morgan Stanley (Quelle)

Die Leser werden mobil – der Content muss folgen.

Das beeindruckende Wachstum des mobilen Internets (laut Google-Chef Eric Schmidt wächst es acht Mal so schnell wie das Internet zur vergleichbaren Zeit) verändert die Nutzungsgewohnheiten und damit die Erfolgskriterien für Online-Publikationen. Wer gelesen werden will, muss zuerst beim Leser sein – das heißt, er muss mobil werden. Denn Inhalte gleich welcher Art werden in Zukunft zum überwiegenden Teil auf mobilen Endgeräten wie Smartphones oder Tablet gelesen. Die Reaktionsgeschwindigkeit von Redaktionen und die Nützlichkeit der Informationen wird dann nicht mehr daran gemessen werden, wann ein Artikel auf der Webseite veröffentlicht wird, sondern daran, wann er beim Leser wirklich ankommt. Denn der will nicht warten, bis er wieder vor einem Rechner sitzt, sondern die Inhalte direkt auf seinem Smartphone oder Tablet sehen – unabhängig davon, wo er sich gerade aufhält. Oder anders ausgedrückt: Wenn der Nutzer eine Information braucht, muss sie verfügbar sein. Nur dann bringt sie ihm den größten Nutzen.

Das mobile Web schafft neue Kontexte

In der Zeit vor iPad und Smartphones gab es beim Online-Publizieren im Web im Prinzip nur ein Anwendungsszenario: Der Nutzer sitzt vor seinem Bildschirm am stationären Rechner und schaut sich an, was auf den Webseiten so geschrieben wird. Als Content-Produzent hatte man wenig Möglichkeiten, auf die individuelle Situation des Lesers einzugehen. Viel mehr Informationen als die, welche Uhrzeit, Browsereinstellungen und eventuell Cookies und Referrer hergeben, hatte man nicht zur Verfügung.

Das mobile Web verändert das nun grundlegend. Bei aktuellen Smartphones und Tablets stehen aufgrund ihrer technischen Ausstattung (GPS, Kamera, Bewegungssensor), der Verknüpfung von Apps (Terminkalender, Kontakte, Maps), Social Media Netzwerken (Facebook, Twitter) und mobiler Dienste (Foursquare, Facebook Places) nun Daten wie Ort, Zeit, Bewegung, Termine, Umfeld, verbundene Kontakte in der Umgebung und in Zukunft sogar über die Erkennungsleistung der Kamera die Blickrichtung und die gerade betrachteten Objekte zur Verfügung. Die Möglichkeiten, seine Inhalte auf die gerade vorherrschende Situation maßzuschneidern und damit seinen Lesern einen perfekten Service sowie größten Nutzen zu bieten, sind fast grenzenlos.

Der „situation based multi-criteria approach“

Ein Beispiel zeigt, wie möglichst viele Kriterien ausgewertet werden können, um den Kontext zu erfassen und dem Nutzer die Inhalte maßgeschneidert aufbereitet zu liefern: Ein Unternehmer will einen gebrauchten Lieferwagen für seinen Fuhrpark kaufen. Er fährt zu einem Händler und schaut sich in Frage kommende Lieferwagen an. Der Verkäufer will ihn natürlich das teuerste Modell mit vielen Zusatzoptionen verkaufen. Der Unternehmer ruft sich auf seinem iPad erst einmal die letzten Testberichte auf und erfährt, welches Modell und Ausstattung empfohlen wird. Eine Checkliste zeigt ihm, auf welche möglichen Mängel er besonders achten muss und gibt auch Preise an, wie teuer eine Beseitigung sein würde. Wenn er wollte, könnte er sogar die bei den Ersatzteilhändlern direkt prüfen, ob die Ersatzteile auf Lager sind. Da der Verkäufer ihm versichert, dass er so einen guten Wagen zu so einem atraktiven Preis nirgendwo anders finden würde, verschafft der Unternehmer sich mit wenigen Klicks einen Überblick über Angebote konkurrierender Händler in der Umgebung für vergleichbare Wagen. Er erfährt, wie weit er für die Besichtigung fahren müsste, wie viel Zeit und Benzin es ihn kosten würde und ob es mit anderen Terminen kollidieren würde. Da der Preis des Händlers wirklich gut ist, überprüft er noch die Angebote seiner Banken zur Fahrzeugfinanzierung, um das Finanzierungskonzept des Händlers bewerten zu können. Nach dem Durchgehen einer Checkliste für Kfz-Kaufverträge besiegelt er den Kauf.

Für die Verlage, welche den Unternehmer als Leser gewinnen (oder halten) wollen, bedeutet dieses Beispiel folgendes: Testberichte, Empfehlungen und Checklisten müssen für die mobile Nutzung aufbereitet sein. Verknüpfungen zu Kfz-Datenbanken, Ersatzteilhändlern und Finanzierungsanbietern müssen angelegt sein und deren Adressdaten zusammen mit der aktuellen Position per Klick Routeninformationen ausgeben können. Wenn alle Inhalte so eingebunden und verbunden sind, entsteht eine maßgeschneiderte Informationslösung für den Unternehmer, die schwer zu kopieren ist und somit ihn als Nutzer an den Verlag bindet.

Inhalte müssen flexibel einsetzbar sein

Der maßgeschneiderte Einsatz von Inhalten hat auch Auswirkung auf ihre Eigenschaften und die Art ihrer Erstellung. Lange Artikel mit ausführlicher Würdigung aller Aspekte des Themas eignen sich eher weniger, um dem Leser vor Ort schnell bei seiner Entscheidungsfindung zu unterstützen. Die Inhalte müssen in knapper und zusammenfassender Form vorliegen sowie so eingeordnet sein, dass sie dem passenden Kontext zugeordnet werden können. So wird der lange Artikel der Print-Ausgabe noch einmal in kurzer und reduzierter Form gespeichert werden, um mobil angezeigt werden zu können. Das „Tagging“, also das Versehen mit Stichworten, wird extrem wichtig: Denn darüber entscheidet sich, wann und damit wie oft der Inhalt angezeigt wird.

Neue Herausforderungen für Verlage: Das Geschäft der Leser verstehen und bedienen.

Für Verlage – und insbesondere die Fachverlage – bedeutet die neue Zeit ein Umdenken in der Art und Weise, wie Inhalte produziert werden. Die Redaktionen müssen nicht nur Inhalte nach den klassischen Qualitätskriterien erstellen, sie müssen die Lebens- und Arbeitswelt ihrer Leser verstehen und wissen, wann und wie ihre Inhalte gebraucht werden – und wie diese den größten Nutzen stiften. Das ist nichts anderes als die klassische Kundenorientierung. Dabei geht es nicht darum, die Meinung seiner Lesern zu erforschen und dann nach dieser zu schreiben, sondern weiterhin qualitativ hochwertige Inhalte zu produzieren, diese aber an den vorherrschenden Anwendungskontexten der Leserschaft auszurichten.

Ohne Netzwerk keine Experten: Social Media ist essenziell

Um ein Experte in seinem Fachgebiet zu sein, ist heutzutage eine gute Vernetzung Voraussetzung. Diese findet nicht mehr nur über persönlichen Austausch auf Konferenzen oder am Telefon statt, sondern über Blogs, Twitter, Facebook und anderen sozialen Netzwerken. Je besser die Vernetzung und auch Sichtbarkeit in Social Media ist, desto mehr Informationen fließen. Und das Gute ist, dass der Informationsfluss keinen Einbahnstraße ist: Wenn die Experten etwas zu sagen haben, finden sie Gehör und ihre Botschaften verbreiten sich schnell und weit. So lassen sich nicht nur Informationen finden, sondern auch Inhalte bekannt machen.

Fazit: Die Verlage stehen vor einem einschneidenden Um- und Aufbruch

Diese Überschrift könnte auch für den Übergang vom reinen Print- zum hybriden Print/Online-Zeitalter gelten. Meiner Meinung ist die Veränderung jetzt aber grundlegender, weil sie die Verlage zur Änderung ihrer Ausrichtung und Arbeitsweise zwingt. Während die Erfolgskriterien für Print- und Online-Inhalte sich noch fast gleichen, werden sie für mobilen Content deutlich ausgeweitet. Die Organisation und Prozesse innerhalb der Verlage werden sich neu ausrichten müssen. Es wird spannend, welchen Verlagen das als erstes und am erfolgreichsten gelingt.