Durchbruch der Location Based Services? – Vortrag auf der HIS 2011

Gestern habe ich auf der Tagung „Handelsinformationssysteme – IT im Verbund“ einen Vortrag über Location Based Services, also ortsbezogene Dienste wie Foursquare oder Facebook Places gehalten. Die Tagung wird jährlich von meinem alten Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WWU Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Becker und PD Dr. Axel Winkelmann organisiert. Nachdem ich die allererste Tagung 1997 selbst mit organisiert hatte, war es für mich eine besondere Freude, an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren und nun nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch vor der Leinwand zu stehen.

HIS

Aber abseits der persönlichen Gefühle wollte ich zur Bereitstellung meiner Vortragsfolien ein paar Eindrücke wiedergeben, die mir bei der Vorbereitung in den Sinn gekommen sind. Die Folien selbst geben einen schnellen Überblick über die Logik und die Aussichten für Location Based Services (LBS). Kennern der Materie werden sie nichts Neues verraten, Einsteiger bekommen aber (hoffentlich) einige Anregungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich möchte auf diese Punkte hinweisen:

„The Next Big Thing“ mit Hindernissen

  • Grundsätzlich stimmen die Rahmenbedingungen, um Locations Based Services als ein „Next Big Thing“ werden zu lassen: Die Vorteile aus Kundensicht, die Unterstützung großer Unternehmen mit einer riesigen Kundenbasis, die neuen Möglichkeiten in Vertrieb und Marketing für lokale Geschäfte und die technische Umsetzbarkeit.
  • Dennoch scheinen die LBS zuerzeit an einem kritischen Punkt zu sein: Es gibt erste Berichte aus den USA, dass Check-Ins abnehmen, doch nicht so viele Geschäfte besondere Angebote für LBS-Nutzer bereitstellen und dass einige Start-Ups aus dem Bereich bereits die Segel gestrichen haben.
  • Aus meiner Sicht liegt das an den zurzeit technischen Unzulänglichkeiten und den Problemen, die sich daraus ergeben: Die Ortung per GPS ist enorm stromfressend, sodass sie nicht von alles Smartphone-Nutzern eingesetzt wird. Mittels Funk oder WLAN lässt sich aber der Aufenthaltsort nur sehr ungenau bestimmen, sodass eine präzise Abstimmung von Aktionen nicht möglich ist. Solange man auch hunderte von Metern entfernt von einem Geschäft dort einchecken kann, wird sich jeder Inhaber überlegen, ob er Check-Ins belohnt, wenn doch keiner seinen Laden betritt.
  • Dass die Logik der LBS funktioniert, zeigt das Beispiel von Best Buy in den USA. Nach neunmonatiger Testphase wird dort jetzt das eigene LBS-System auf alle knapp 1.300 Fillialen ausgeweitet. Nutzer werden belohnt, wenn sie nur die Filiale betreten. Das interessante ist dabei, dass Best Buy nicht Dienste wie Foursquare oder Facebook Places nutzt, sondern eine eigene App einsetzt. Diese funktioniert auf der Basis von (unhörbaren) Audio-Signalen, die in der Filiale erzeugt und durch das Mikrofon des Smartphones aufgenommen werden. So wird sichergestellt, dass sich der Nutzer auch wirklich in einem Best-Buy Laden befindet und nicht nur dort ohne Einkauf vorbeiläuft.

Der Erfolg der LBS scheint davon abzuhängen, wie schnell eine genauere und komfortabel Ortung der Smartphone möglich ist. Die Lösung ist mit Near Field Communication (NFC) bereits vorhanden, Google und Samsung bauen sie in ihre neuesten Handys auch ein. Gerüchteweise soll auch Apple im nächsten iPhone NFC unterstützen, allerdings war auf Steve Jobs Keynote der WWDC nichts davon zu hören, auch das neue iOS scheint keine NFC-Unterstützung zu bieten. Sollte die NFC-Verbreitung nicht vorankommen, könnte es also eng werden für die bestehenden LBS-Dienste. Werden sich allerdings Google & Co. durchsetzen, so entsteht hier ein riesiges Wachstumsfeld mit ganz neuen Anwendungsfällen.

Wie würde der Kaiser sagen: Schaun mer mal. Es bleibt spannend.

Direkter Download der Folien (PDF 1,6MB)