Heveling und die Kommentare zu den Kommentaren

Eigentlich dachte ich ja, das Thema Heveling ist nun durch, nachdem seine, sagen wir mal, pointierten Aussagen anfangs mit Fassungslosigkeit, dann mit Häme und schließlich mit Spieltrieb durch das Web 2.0 Dorf getrieben wurden. Gestern Abend las ich aber Kommentare, welche die ganze Angelegenheit als solche sehr tiefenentspannd kommentierten. So z.B. Peter Altmeier (Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) auf Twitter sowie Mirko Lange auf G+. Tenor der beiden Kommentare: Da hat aber einer geschickt die Netzgemeinde „am Nasenring durch die digitale Arena führt“ (ML) und nun „bewerfen sich [die Kinder] begeistert mit Förmchen“ (PA).

Das macht mich wütend.

Denn hier hat nicht ein verwirrter PR-Berater in seinem Blog getrollt, sondern ein Mitglied des Bundestags, der zudem noch Mitglied des Rechtsausschusses, Mitglied der Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft sowie stellvertretendes Mitglied des Kultur- und Medienausschusses ist, in einer angesehenen Wirtschaftszeitung einen Artikel veröffentlicht.

Zur Erinnerung: Ein Mitglied des Bundestags ist einer von den 620 Frauen und Männern, die das Unternehmen Deutschland mit knapp 320 Milliarden Euro Umsatz und über 81 Millionen Mitarbeitern führen. Deren Entscheidungen sind also nicht ganz unwichtig und von einiger Tragweite.

Mein Anspruch an einen MdB ist, dass er intellektuell, fachlich und charakterlich in der Lage ist, unser Land zu führen, auf Herausforderungen zu reagieren und für die Zukunft gut aufzustellen. Und ich vermute einmal, dass ich mit dieser Einstellung nicht alleine bin. Wenn mir nun jemand aus dieser Riege quasi mit Anlauf aufzeigt, dass er diese Anforderungen nicht erfüllt – und zudem noch auf einem Gebiet, was mir persönlich sehr wichtig ist-, dann bin ich sauer und bringe das auch zum Ausdruck. Und auch das geht anderen genauso, wie man das an den Kommentaren sehen kann. Das hat mit Förmchen werfen oder Nasenring nichts zu tun.

Übrigens denke ich, dass ich den Unterschied zwischen pointierter oder auch provozierender Argumentation und zusammenhanglosen Aneinanderreihen von wirren Aussagen erkennen kann. Im Gegensatz zu den mit Sprachwitz und Hintersinn verfassten Kolumnen von Sascha Lobo war der Beitrag von Herrn Heveling frei jeglicher inhaltlicher Argumente und sprachlich auf dem Niveau einer Kriegsberichtserstattung. Selbst bei mehrmaligem Lesen fand ich dort keinen Ansatz, eine Diskussion zum Sachthema zu führen.

Wer das wie Mirko Lange und Peter Altmeier als lustiges Spielchen eines MdB darstellt, den kann ich nicht mehr ernst nehmen. Schade eigentlich, denn ich hatte bisher eine gute Meinung von den beiden.

(Originalbeitrag auf Google+ mit Kommentaren: https://plus.google.com/104135034057747253597/posts/ZqRnA3za2zr)