Guttenberg als EU-Experte: Der Widerhall in der Netzgemeinde [Update]

Karl Theodor zu Guttenberg ist heute als EU-Berater in Fragen der Internetfreiheit in autoritären Regimen von der Kommissarin Neelie Kroes in Brüssel vorgestellt worden. Wie nicht anders zu erwarten, fand die Netzgemeinde das nicht so lustig – oder irgendwie doch. Zumindest tropfte der Sarkasmus aus den meisten Tweets.

[Update] Ein Blick aufs Monitoring-Tool (Sysomos Heartbeat) zeigt die Aufruhr in der Netzgemeinde. Nachdem gestern tagsüber bereits einiges los war, explodierte abends und heute morgen die Trefferanzahl:

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Insgesamt waren es fast 5.000 Artikel bzw. Tweets über das Thema. Nach einer schnellen Durchsicht kann ich sagen, dass es entweder neutrale Meldungen (meist von Newsangeboten) oder fassungslose bis satirische Tweets gab. Hier eine subjektive Auswahl der schönsten Ideen:

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guttenberg lobo

guttenberg janboehm

Bei manchen war das Humorpotenzial aber auch aufgebraucht. Verständlicherweise.

guttenberg spielkamp

Fazit: Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, KTG als Internetberater zu installieren – er hat der EU keinen Gefallen getan. Manchmal sollte man eben wirklich Leute fragen, die sich mit den Thema auskennen.

5 Dinge, die ich von Steve Jobs gelernt habe

Steve Jobs ist gestern Nacht gestorben. Die Nachrufe sind mannigfaltig und drehen sich oft um seine Lebensleistung und sein Charisma – berechtigt. Ich mag Macs, iPhone, iPad & Co, bin aber kein fanatischer Apple Fanboy und habe auch keinen Zoo aus Apple-Produkten. Dennoch fasziniert mich die Art, wie Steve Jobs Apple geführt und geprägt hat. Diese fünf Dinge habe ich persönlich für mich abgespeichert:

  • Habe eine Vision.
    Helmut Schmidts Bonmot “Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen” mag auf den ersten Blick lustig sein, führt aber zu Kurzsichtigkeit bei Entscheidungen. Steve Jobs hatte seine Vision von der Art, wie Computer das Leben der Menschen erleichtern sollen, und er hat konsequent darauf hingearbeitet.
  • Denke ganzheitlich.
    Dass bei Apple Hardware, Software und Service nahtlos zusammen passen, ist eine Binsenweisheit. Mich beeindruckt immens, wie aber auch das Unternehmen intern als Ganzes gesehen wird: So ist der iPad Bildschirm zusammen mit Partnern entwickelt worden, die Apple dabei auch finanziell unterstützt hat. Dafür bekommt Apple die Technologie für einen Zeitraum exklusiv und günstiger, was die Konkurrenz außen vor hält. Bis diese nachziehen kann, hat Apple schon Stückzahlen erreicht, welche durch die Skaleneffekte Apple einen Vorteil bei den Produktionskosten und damit der Marge verschaffen. Genial.
  • Sei detailversesssen.
    Steve Jobs hat sich selbst auch um Kleinigkeiten beim Design der Produkte gekümmert und sie solange verbessern lassen, bis sie aus seiner Sicht wirklich perfekt waren.
  • Denke immer vom Nutzer aus.
    Es geht nicht darum, irgendein Anwendungsszenario für vorhandene Technik zu finden, sondern aus der Sicht des Nutzers Funktionen zu entwerfen, die er genau so braucht. Nur dann setzt sich ein Produkt wirklich durch.
  • Entscheide. Auch wenn du dabei Fehler machen wirst.
    Auf dem Weg zur Umsetzung der Vision sind viele Entscheidungen zu treffen, und nicht bei allen ist es klar, ob sie richtig sein werden. Doch wenn man nichts entscheidet, findet man das nicht heraus. Und kommt nicht voran.

Schon 1997 hat Steve Jobs nach diesen Grundsätzen gehandelt – zu einer Zeit, wo es undenkbar war, dass Apple einmal das wertvollste Unternehmen der Welt werden sollte. Hier seine Reaktion auf eine sehr direkte (und fast schon beleidigende) Frage auf der WWDC 1997:

Zuerst zählt das Unternehmen: Warum Apple das iPhone 4S gebracht hat und nicht eine Nummer 5

Es herrscht ja allgemein etwas Enttäuschung über das Ausbleiben des iPhone 5 gestern. Mashable hat eine aus meiner Sicht stichhaltige Begründung geliefert, warum erst das 4S kommt und später ein 5:

Die Zwei-Jahres-Verträge der 3GS-Inhaber laufen jetzt aus und das 4S ist das passende Telefon für die Anschlussverträge. Damit die nicht zur Konkurrenz wechseln, wird den Apple-Kunden das nächste iPhone präsentiert. Nächstes Jahr passiert dann das gleiche mit dem 4er-Modell. Dann wird das iPhone 5 vorgestellt.

Schlau. Und das zeigt etwas, das manchmal vergessen wird: Apple ist nicht dazu da, seine Fans bei jeder Präsentation in Verzücken zu versetzen (was auch aufgrund der Erwartungshaltung immer schwieriger wird), sondern um Geld zu verdienen. Und mit solchen genau getimten Aktionen machen sie es (andere schaffen das übrigens bei weitem nicht so gut).

Das zeigt einmal mehr, dass Steve Jobs Apple ganzheitlich sieht und sein Management auch. Die Guru-Auftritte auf den Keynotes haben das etwas überdeckt, was Apple sicher nicht unangenehm war. Mit Tim Cook zieht jetzt etwas Nüchternheit ein. Mal sehen, wie das die Sicht der Apple-Fans auf das Unternehmen verändert.

(Diesen Beitrag habe ich auch auf Google+ eingestellt: https://plus.google.com/104135034057747253597/posts/Pwxd6kNZoKP)

In eigener Sache: Ich leite jetzt das Social Media Monitoring bei altares

Seit einiger Zeit arbeite ich ja bereits mit der altares Mediamonitoring GmbH aus Düsseldorf zusammen. Die Zusammenarbeit begann aus dem Wunsch von altares heraus, das bestehende Media Monitoring Geschäft auf den Sektor Social Media auszuweiten. Sie bestand anfangs nur aus einer engen und sehr freundschaftlichen Kooperation, um einzelne Projekte gemeinsam durchzuführen. Nun ist die Nachfrage nach Social Media Monitoring und damit die Größe und Komplexität des Aufgabengebiets so sehr gewachsen, dass der Inhaber und Geschäftführer der altares Mediamonitoring GmbH, Oliver Range, mich gefragt hat, ob ich nicht die Leitung dieses Bereiches fest übernehmen möchte. Ich brauchte nur einen kurzen Augenblick zu überlegen, bevor ich zusagte – denn die Kombination aus reizvoller Aufgabe, einem klasse Team und spannenden Aussichten findet man so schnell nicht wieder.

So bin ich seit August Leiter Social Media Monitoring bei der altares Mediamonitoring GmbH.

altares Mediamonitoring GmbH

Ich werde demnächst hier etwas ausführlicher dazu schreiben, was mich an Social Media Monitoring so fasziniert. An dieser Stelle daher nur kurz: Für mich hat das Monitoring des Social Webs das Potenzial, ähnlich groß und wichtig für Online-Aktivitäten zu werden wie die “klassische” Webseiten- und Reichweitenanalyse – mit allem, was dazugehört. Das ist viel. Bis es einmal soweit ist, gibt es allerdings noch viel zu tun. Und das möchte ich mitgestalten.

Für meine aktuellen Kunden werde ich natürlich weiter zur Verfügung stehen. Und da ich davon ausgehe, dass gelegentlich neben der Monitoring-Arbeit noch etwas Zeit bleibt, nehme ich auch gerne neue Projekte oder Vorträge an. Einfach kurz melden: volker.meise@meiseonlinestrategie oder jetzt neu für das Social Media Monitoring: meise@mediamonitoring.de.

Google+: Das Facebook für die Twitter-Gemeinde

Sei Ende letzter Woche hat Google nun nach Wave und Buzz den nächsten Versuch eines Social Media Netzes gestartet und der ist, wie ja auch schon häufig zu lesen ist, ganz gut gelungen. Nun wird natürlich spekuliert, ob Google+ Facebook “killen” kann oder wie sich das Kräfteverhältnis der sozialen Netzwerke in Zukunft entwickeln wird. Dazu habe ich mittlerweile auch eine Meinung, die ich natürlich nicht verschweigen will. Vorher aber ein Blick darauf, was Google diesmal richtig gemacht hat.

Was an Google+ gut ist

Google+/Twitter/FacebookEin bisschen unfreiwillig hatte Google ja ausreichend Zeit sich anzugucken, welche Funktionen bei den anderen Netzwerken wirklich wichtig sind und welche weniger, um dann daraus das Beste herauszupicken und mit eigenen Ideen zu einer runden Lösung zusammenzusetzen:

  • Die Offenheit von Twitter: Das Besondere (und Neue) an Twitter war nicht die Beschränkung auf 140 Zeichen, sondern die Möglichkeit, wildfremden Personen zu folgen, ohne dass man eine 1:1 Beziehung zu ihnen aufbaut wie bei Facebook. Wenn man sich für die Themen eines Twitterers interessiert, dann heißt das ja noch lange nicht, dass dieser es spannend findet, was man selbst so treibt. Auf Twitter hat sich so eine neue Art der Informationsverbreitung und auch offene Diskussionskultur entwickelt, die es vorher in dieser Form nicht gab und die für mich den großen Reiz des Dienstes ausmacht.
  • Die “Pinnwand”-Logik von Facebook: So gut Twitter beim schnellen Verbreiten von Nachrichten ist, so schlecht kann man diskutieren – zumindest, wenn sich nicht alle Diskutanten gegenseitig folgen. Die Beiträge gehen dann im Strom der Timeline unter. Bei Facebook – und jetzt bei Google+ – passiert das nicht. Diskussionen machen jetzt richtig Spaß, da man schnell überlesen kann, was von wem geschrieben wurde.
  • Die “Circles”-Nutzerverwaltung von Google+: Wer bei Facebook nicht allen alles erzählen will, hat ein Problem. Die Verwaltung der Freunde und der zugehörigen Rechte ist so kompliziert, dass man ohne mehrtägigem Social Media Lehrgang kaum etwas richtig, aber viel falsch machen kann. Google zeigt jetzt mit dem Circles-Konzept, wie es sein soll: Einteilung der Nutzer in beliebige Kreise per Drag und Drop und einfache Zuweisung der Kreise, denen ich etwas schicken will. Top-Usability. Wenn jetzt noch eine Meta-Verwaltung wie “alle Kreise ohne ‘Social Media Trolle'” dazukommt, ist es perfekt.

Die anderen Features von Google+ wie Hangouts, Sparks, Foto-Galerie usw. sind ebenfalls fast durchweg klasse umgesetzt, aber meines Ermessens keine “Killerkriterien”.

Die Zukunft: Facebook muss sich keine Sorgen machen, Twitter schon

Wie nicht anders zu erwarten war, wurden Berichte über Google+ schon mit “Facebook-Killer” oder “Nicht so gut wie Facebook” überschrieben. Abgesehen dazu dass es für solche kernigen Voraussagen etwas früh ist: Es ist genug Platz für alle da. Google+ wird seinen Platz finden, für mich stellt sich nur die Frage, wem es mehr Nutzer abzieht. Und das ist meiner Meinung nach eindeutig – und leider – Twitter.
Denn abgesehen davon, dass der Tanker Facebook mit über 700 Millionen Nutzern sich nicht so einfach stoppen lässt, ist Facebook mit seinem Ökosystem an Funktionen, Apps und Seiten so eng und gut in die private Lebenswelt vieler Nutzer integriert, dass sie schlicht keine Notwendigkeit sehen, Facebook aufzugeben und sich bei Google+ neue Freundeskreise aufzubauen. Es mag sein, dass sich Facebooks Wachstum etwas verlangsamt, aber “killen” wird Google+ Facebook nicht.
Mehr Sorgen mache ich mir um Twitter. Denn die Kernfunktion “schnell und einfach Informationen verbreiten” geht mit Google+ genauso gut – zusätzlich kann ich aber deutlich besser diskutieren und damit kommunizieren und meine Nachrichten auch genau der Zielgruppe schicken, die sie lesen soll. Und die ganzen Funktionen wie Foto-Upload usw., die man bei Twitter über Zusatzdienste einbinden muss, sind bei Google+ schon integriert.

Fazit: digital home for digital natives

Google+ hat das Potenzial, Twitter als Nachrichtenkanal abzulösen oder zumindest deutlich Nutzer abzuwerben. Facebook wird für die breite Masse weiterhin das Netz der Wahl sein. Viele Informations-Junkies und digitalen Medienmenschen (dazu zähle ich mich auch) werden aber in Google+ ihre neue Heimat finden. Und wenn Konkurrenz wie üblich das Geschäft belebt, werden alle bald viele neue spannende Funktionen in ihrem bevorzugten Netz finden. Vielleicht findet dann ja doch noch ein Entwickler das “Killer”-Feature.

Ach übrigens, ich bin bei Google+ natürlich auch zu finden.

Durchbruch der Location Based Services? – Vortrag auf der HIS 2011

Gestern habe ich auf der Tagung “Handelsinformationssysteme – IT im Verbund” einen Vortrag über Location Based Services, also ortsbezogene Dienste wie Foursquare oder Facebook Places gehalten. Die Tagung wird jährlich von meinem alten Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WWU Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Becker und PD Dr. Axel Winkelmann organisiert. Nachdem ich die allererste Tagung 1997 selbst mit organisiert hatte, war es für mich eine besondere Freude, an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren und nun nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch vor der Leinwand zu stehen.

HIS

Aber abseits der persönlichen Gefühle wollte ich zur Bereitstellung meiner Vortragsfolien ein paar Eindrücke wiedergeben, die mir bei der Vorbereitung in den Sinn gekommen sind. Die Folien selbst geben einen schnellen Überblick über die Logik und die Aussichten für Location Based Services (LBS). Kennern der Materie werden sie nichts Neues verraten, Einsteiger bekommen aber (hoffentlich) einige Anregungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich möchte auf diese Punkte hinweisen:

“The Next Big Thing” mit Hindernissen

  • Grundsätzlich stimmen die Rahmenbedingungen, um Locations Based Services als ein “Next Big Thing” werden zu lassen: Die Vorteile aus Kundensicht, die Unterstützung großer Unternehmen mit einer riesigen Kundenbasis, die neuen Möglichkeiten in Vertrieb und Marketing für lokale Geschäfte und die technische Umsetzbarkeit.
  • Dennoch scheinen die LBS zuerzeit an einem kritischen Punkt zu sein: Es gibt erste Berichte aus den USA, dass Check-Ins abnehmen, doch nicht so viele Geschäfte besondere Angebote für LBS-Nutzer bereitstellen und dass einige Start-Ups aus dem Bereich bereits die Segel gestrichen haben.
  • Aus meiner Sicht liegt das an den zurzeit technischen Unzulänglichkeiten und den Problemen, die sich daraus ergeben: Die Ortung per GPS ist enorm stromfressend, sodass sie nicht von alles Smartphone-Nutzern eingesetzt wird. Mittels Funk oder WLAN lässt sich aber der Aufenthaltsort nur sehr ungenau bestimmen, sodass eine präzise Abstimmung von Aktionen nicht möglich ist. Solange man auch hunderte von Metern entfernt von einem Geschäft dort einchecken kann, wird sich jeder Inhaber überlegen, ob er Check-Ins belohnt, wenn doch keiner seinen Laden betritt.
  • Dass die Logik der LBS funktioniert, zeigt das Beispiel von Best Buy in den USA. Nach neunmonatiger Testphase wird dort jetzt das eigene LBS-System auf alle knapp 1.300 Fillialen ausgeweitet. Nutzer werden belohnt, wenn sie nur die Filiale betreten. Das interessante ist dabei, dass Best Buy nicht Dienste wie Foursquare oder Facebook Places nutzt, sondern eine eigene App einsetzt. Diese funktioniert auf der Basis von (unhörbaren) Audio-Signalen, die in der Filiale erzeugt und durch das Mikrofon des Smartphones aufgenommen werden. So wird sichergestellt, dass sich der Nutzer auch wirklich in einem Best-Buy Laden befindet und nicht nur dort ohne Einkauf vorbeiläuft.

Der Erfolg der LBS scheint davon abzuhängen, wie schnell eine genauere und komfortabel Ortung der Smartphone möglich ist. Die Lösung ist mit Near Field Communication (NFC) bereits vorhanden, Google und Samsung bauen sie in ihre neuesten Handys auch ein. Gerüchteweise soll auch Apple im nächsten iPhone NFC unterstützen, allerdings war auf Steve Jobs Keynote der WWDC nichts davon zu hören, auch das neue iOS scheint keine NFC-Unterstützung zu bieten. Sollte die NFC-Verbreitung nicht vorankommen, könnte es also eng werden für die bestehenden LBS-Dienste. Werden sich allerdings Google & Co. durchsetzen, so entsteht hier ein riesiges Wachstumsfeld mit ganz neuen Anwendungsfällen.

Wie würde der Kaiser sagen: Schaun mer mal. Es bleibt spannend.

Direkter Download der Folien (PDF 1,6MB)

Der ESC auf Twitter – ein Riesenspaß

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass TV und Social Media ziemlich gut zusammen passen, dann hätte der Eurovision Song Contest die letzten Zweifel zerstreut. Die Show an sich war ja schon klasse, noch deutlich höher war der Unterhaltungswert aber, wenn man sich die Kommentare über Twitter dazu anschaute – zumindest in meiner Timeline. Ich habe teilweise Tränen gelacht über die Tweets. Meine fünf Favoriten will ich deshalb hier kurz vorstellen, verbunden mit dem besten Dank an die Urheber für einen Riesenspaß.

Die Nummer 5: @50hz über Mika Newton, Ukraine

Mika Newton, Ukraine50hz

Die Nummer 4: @luebue über Nina, Serbien

Nina, Serbienluebue

(Er war übrigens nicht der Einzige mit dieser Assoziation)

Die Nummer 3: @jayzon277 über Eldrine, Georgien

Eldrine, Georgienjayzon277

Die Nummer 2: @r8r über Nadine Beiler, Österreich

Nadine Bailer - Österreichr8r

Die Nummer 1: @scherzinfarkt über Maja Keuc, Slowenien

Maja Keuc, Slowenien scherzinforkt

Twitter und TV können eine herrliche Kombination sein. Der Nachteil ist allerdings, dass man vor lauter Lesen und Aktualisieren kaum noch was von der eigentlichen Sendung mitbekommt – zumindest dann, wenn die #esc-Tweets so durchrauschen wie am Samstag. Im Falle des ESC wäre das schade gewesen, denn die gesamte Show war großartig. Einen Riesendank deshalb an Lena, die Moderatoren und alle Organisatoren, die diese Show auf die Beine gestellt haben!

[Update: In der ersten Version hatte ich den Tweet von @jayzon277 fälschlicherweise Hotel FM aus Rumänien zugeordnet – sorry. Das hätte ich mir aber auch merken können – siehe @jayzon277s Hinweis 🙂 ]

[Update 2: Was ich noch sagen wollte: Meine persönlichen Favoriten des Abends konnte man leider nicht wählen. Das waren Stefam Raab und Lena mit ihrem großartigen “Satellite”-Intro am Beginn der Show. Zu sehen jetzt auch auf YouTube.]

Social Media ist unberechenbar

Letzte Woche saß ich mal wieder auf der Seite des Tisches, die sich die Präsentationen von Agenturen für einen Pitch anhören durfte. Diesmal ging es um die Weiterentwicklung und Betreuung eines bereits existierenden Facebooks-Auftritts. Als ich den Pitch-Tag abends für mich rekapitulierte, verfestigte sich ein Eindruck: Social Media ist unberechenbar.

Die – übrigens durchgehend guten – Vorstellungen der Agenturen waren nämlich nicht nur wegen ihrer kreativen Ideen interessant, sondern auch in Hinblick auf die vorgeschlagene Struktur des Facebook-Marketings. Als Ziel war eine konkrete, recht herausfordernde Anzahl von Fans in der Zielgruppe ausgegeben, die Ende des Jahres erreicht werden sollte. Dabei war klar, dass die Masse von Fans allein kein Ziel sein kann, sondern diese Fans auch aktiviert werden müssen, um Marke und Angebote bekannter zu machen.

Zwei Wege, um Fans auf Facebook zu gewinnen

Um dieses Ziel zu erreichen, gibt es grundsätzlich zwei Wege: Entweder man schaltet Anzeigen auf Facebook und gewinnt Fans quasi direkt oder es werden diverse Aktivitäten wie Gewinnspiele etc. veranstaltet, die viral wirken sollen und somit Fans auf die Seite ziehen. Die erste Variante ist sozusagen die sichere, da sich mit etwas Erfahrung aus Budget und Conversionrate die Anzahl der Fans berechnen lässt. Virale Kampagnen sind naturgemäß schwerer zu berechnen – es hängt einfach von zu vielen, zum Teil zufälligen und meist sehr menschlichen Faktoren ab, ob der virale Effekt zustande kommt.

Unter dieser Voraussetzung hätte ich gedacht, dass sich die Vorschläge der Agenturen bei dem klar vorgegebenen Ziel ähneln: Eine beruhigende Basis an Fans durch Anzeigen sichern und den restlichen kleineren Teil durch virale Kampagnen gewinnen. Umso erstaunter war ich, dass die Vorschläge alle Verteilungen (des Budgets) von 25/75 über 50/50 bis zu 75/25 enthielten.

Virale Maßnahmen nicht berechenbar – das erfordert Mut

Was sagt das aus? Entgegen “klassischen” Werbewegen, wo man aus Erfahrungswerten ziemlich gut die Wirkung von Anzeigen oder anderen Werbemaßnahmen berechnen kann, funktioniert das bei Facebook (noch) nicht. Das liegt natürlich zeitlichen Erfahrungsvorsprung, den die langjährige Beschäftigung mit dem klassischen Online-Marketing mit sich bringt. Das liegt aber auch einfach daran, dass Social Media Kampagnen eben ganz viel “Social” beinhalten. Und bei allen Erfahrungswerten und Referenzen selbst von spezialisierten Social Media Agenturen gelingt es nicht, belastbare Vorhersagen zum Erfolg von Kampagnen zu machen.

Für werbende Unternehmen ist das natürlich unschön – es braucht Mut, einen Teil seines Marketingbudgets auf unsichere Karten zu setzen. Andererseits ist es auch beruhigend, dass nicht alles vollständig zu berechnen ist. Das wäre sonst auch ein bisschen langweilig.

In den sauren App-fel gebissen: Warum eine separate App-Strategie die Verlage in die Sackgasse führt

Apple hat diese Tage das neue Abo-Modell für seinen App-Store eingeführt (Pressemitteilung) und einmal mehr klar gemacht, wer auf der Apple-Plattform das Sagen hat: Steve Jobs und niemand anderes. Die Verlage müssen auf alle Abos, welche innerhalb des App-Stores abgeschlossen werden, 30% des Umsatzes an Apple abgeben. Wollen sie Angebote außerhalb des Stores anbieten, so dürfen diese die App-Store Entsprechungen nicht im Preis unterbieten.

Das iPad

Freie unternehmerische Entscheidungen sehen anders aus.

Es mag sein, dass die deutschen Verleger langsam merken, dass die anfangs bejubelte neue digitale Welt des iPads nun doch nicht die Rettung ihres Geschäfts darstellt. Denn im Gegensatz zur auf die Medien angewiesenen Bundesregierung, die sich ein Leistungsschutzrecht in den Koalitionsvertrag schreiben lässt, gehen Herrn Jobs bei der Führung eines der weltweit größten Unternehmen die Wünsche regionaler deutscher Verleger ziemlich weit am Allerwertesten vorbei.

Doch nicht nur die Abhängigkeit von Apple macht die Konzentration auf Zeitungs- oder Zeitschriften-Apps zu keiner guten Idee. Es sind zwei Gründe, warum reine App-Strategien auch ohne Apple-Diktatur langfristig scheitern werden:

1. Die Funktionalität von Apps und Webseiten konvergiert

Manchmal wünsche ich mir, dass Helmut Markworts Spruch “…und immer an die Leser denken” ernster genommen würde. Das iPad hat zwar eine neue Art des digitalen Publizierens und Konsumierens möglich gemacht. Ich habe aber das Gefühl, dass die Verleger ihrer Euphorie übersehen, dass das traditionelle Surfen auf Webseiten mit den Tablets immer noch möglich (und bequemer denn je) ist. Aus Sicht der Leser müssen Apps daher deutlichen Mehrwert im Vergleich zu normalen, frei zugänglichen Webseiten bieten – sonst dürfte kaum jemand bereit sein, für eine App zu zahlen.

Zurzeit überwiegt oft noch die Neugier auf das Neue und das Spiel mit den neuen technischen Möglichkeiten, welche Apps gegenüber Webseiten bieten, um ein App-Abo abzuschließen. Mit der Verbreitung von HTML5 und den damit einhergehenden technischen Möglichkeiten (sehr schön bei www.thewildernessdowndown.com zu sehen) wird dieser Vorsprung aber schnell schmelzen und gut programmierte Webseiten werden Apps in Funktionalität und Lesekomfort kaum nachstehen. Das dürfte den Verkaufszahlen der Apps nicht zuträglich sein.

2. Die Erstellung von Apps wird zu aufwendig

Auf dem jüngst beendeten Mobile World Congress in Barcelona haben alle großen Hersteller neue Tablets vorgestellt, die meisten mit Android 3.0 (Honeycomb) als Betriebssystem. Langfristig werden Tablets mit Android genau wie jetzt bereits Smartphones gemessen in Stückzahlen den Marktführer Apple überholen. Um ausreichend Reichweite zu erzielen, müssen daher Apps für Android angeboten werden, und da gibt es ein Problem: Im Gegensatz zum iPad haben die Android-Tablets sehr unterschiedliche Bildschirmgrößen und damit Auflösungen. Um eine attraktive App zu liefern, muss diese auf die Anzeigengröße optimiert werden – und das ist bei der Vielfalt an Tablets einfach nicht darstellbar oder schlicht zu teuer.

Die Verlage müssten sich also entscheiden, viel Geld in die Programmierung der Apps zu stecken oder einen Teil der Zielgruppe nicht mehr (oder schlechter) zu bedienen. Beides kann nicht im Interesse der Verlage sein.

Was tun? Back to the roots

Was ist also die Lösung für eine erfolgreiche Pubblishing-Strategie, wenn es Apps nicht sind? Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, welche sogar gleichzeitig umgesetzt werden können:

A. Die bestehenden Webseiten werden zu “Mittlern von Lebensqualität und Nutzwert” erweitert, wie es Walterpeter Twer, Verleger der Rhein-Zeitung, im W&V-Interview so passend formuliert und generieren so Umsatz mit Werbung und Dienstleistungen, welche im Zusammenhang mit dem eigentlichen Publikationsthema stehen (nachträgliche Anmerkung: Ähnlich hatte ich es ein einem der letzten Blogeinträge formuliert).

B. Oder man maximiert das Lese-Erlebnis, in dem man parallel zur normalen Webseite erweiterte Inhalte (andere Texte, hochauflösende Bilder) im Abonnement anbietet und das Ganze ohne Werbung in sehr hochwertiger Form präsentiert. Das Startup Treesaver zeigt, wie so etwas mittels HTML5 und Javascript funktioniert – im Web, für Tablets und sogar Smartphones (Demo hier, dazu ein (langes, aber interessantes) Interview mit einem der Günder auf YouTube).

Beides geht ganz ohne Apps. Für alle Plattformen, ganz ohne Umsatzbeteiligung und saure Äpfel.

Wasser predigen, Wein trinken – die Rheinische Post und ihre Interpretation des Leistungsschutzrechts [2. Update]

Die Rheinische Post (RP) aus Düsseldorf ist ja eine der angesehenen Zeitungen im Lande und natürlich auch Mitglied im Bund deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Der BDZV setzt sich seit geraumer Zeit für das Leistungsschutzrecht ein, das bekanntermaßen die redaktionelle Leistung der Verlage schützen soll. Der BDZV schreibt dazu:

“Täglich entstehen in deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen Tausende aufwendig produzierte Artikel, die im Internetzeitalter aber in Sekundenschnelle von Dritten ausschnittsweise oder komplett übernommen, verwertet und vermarktet werden können. Dieser kommerziellen Nutzung stehen die Verlage schutzlos gegenüber…”

Die RP scheint es aber selbst mit dem Leistungsschutz nicht so genau zu nehmen oder ein etwas anderes Verständnis davon zu haben: Letzte Woche hat Stefan Reinermann von r2medien aus Münster eine kleine Untersuchung zu den Facebook-Seiten der Fußball-Bundesliga Clubs erstellt und mich gebeten, eine Einschätzung der Kriterien Inhalt, Interaktion und Design zu geben. Den Text und das Chart hat Stefan dann verschiedenen Redaktionen zum Kauf angeboten, ich habe in meinem letzten Blogpost ebenfalls darauf hingewiesen. Die Reaktionen waren recht erfreulich, so veröffentlichten die Westfälischen Nachrichten gestern den Originaltext samt Chart sowohl in der Zeitung als auch im Web – hier zu lesen.

Das Erstaunen von Stefan (und mir) war dann groß, als wir heute auf den Webseiten der RP unsere Auswertung wiederfanden – allerdings mit anderem Text sowie den Ergebnissen der Auswertung auf eine Klickstrecke ausgedehnt. Als Autor stand ein Nicolas Berthold über dem Artikel. Von Stefan oder mir kein Wort (Screenshot des Artikels liegt vor).

Stefan wandte sich natürlich direkt an die Redaktion und erfuhr, dass der Artikel von einem freien Mitarbeiter stamme und er doch bitte seine Eingabe noch einmal per E-Mail schicken solle. Das tat er, und tatsächlich änderte die RP den Text und erwähnt nun Stefans Agentur r2medien und mich im Artikel. Stefans Hinweis, dass ihm als Urheber auch ein Honorar zustände, beantwortete die Rechtsabteilung abschlägig: Die Idee eines Rankings sei ja urheberrechtlich nicht geschützt und die Zahlen der Facebook-Fans sind auch frei abrufbar. Eine Übernahme eines urheberrechtlich geschützten Werkes sei hier nicht zu erkennen.

Hallo? Liebe RP, was ist das denn für eine Argumentation?

Natürlich kann jeder ein Ranking der Bundesliga-Vereine nach der Anzahl ihrer Facebook-Fans erstellen und dazu die Zahlen von den Facebook-Seiten abschreiben. Das ist keine einzigartige Idee und sicher nicht schützenswert. Wenn sich aber jemand die Mühe macht und dieses tut, dann darf ich nicht die Zahlen von ihm abschreiben, die eigens erstellten Bewertungen übernehmen, den Text umformulieren und dann so tun, als wäre er von mir. Das ist nichts anderes als die kommerzielle Nutzung von Werken Dritter, die im Zuge der Leistungsschutzrecht-Diskussion so angeprangert wird. Und im Gegensatz zu Google, das die Quelle klar nennt und ihr jede Menge Traffic liefert, wird hier weder das eine noch das andere getan.

Mir bleibt nur ein Kopfschütteln und die erneute Erkenntnis, dass die wohlformulierten Worte von Verbandsvertretern und das reale Handeln ihrer Mitglieder zwei sehr gegensätzliche Welten sind.

Update 04.02.2011: Eine E-Mail der Rechtsabteilung der Rheinisch-Bergischen Verlagsgesellschaft mbH zeigt, dass die RP den entscheidenden Punkt nicht einsieht (oder nicht einsehen will). Mit der Korrektur des Artikels (Nennung von Stefan und mir im Text) sei die Angelegenheit erledigt, eine rechtliche Grundlage für weitere Forderung (= Anerkennung der Urheberschaft) wird nicht gesehen.

Es ist aus der Sicht der RP also nicht urheberrechtlich relevant, wenn ein Ranking mit einer Reihe selbstgewählter Kriterien erstellt und eine Bewertung aus der Sicht eines Experten vorgenommen wird. Da bin ich ja mal gespannt, aus was noch alles die RP in Zukunft schöne Klickstrecken macht.Die treiben bekanntlich die Klickzahlen und damit die Werbeerlöse nach oben.

Ach ja, und ich zitiere noch einmal von den Seiten des BVDZ: “Es steht einem jeden frei, das Angebot der Presseverleger anzunehmen, Leistungen der Online-Presse zu gewerblichen Zwecken zu vervielfältigen. Nur wer dieses Angebot für die Zwecke eigener Gewinnerzielung annimmt, muss dafür ein vertragliches Entgelt zahlen. Andersrum scheint das nicht zu gelten.

Update 07.02.2011: Heute hat sich Rainer Kurlemann, Chefredakteur von RP Online, per E-Mail bei Stefan Reinermann gemeldet und für die Übernahme des Artikels um Entschuldigung gebeten. Zudem ist er bereit, “…auch wenn die Rechtslage offenbar anders ist…”, das übliche Honorar für einen solchen Artikel zu bezahlen. Damit hat sich aus meiner Sicht die Vernunft in der Redaktion gegen die Sicht der Juristen im Verlag durchgesetzt. Schön, dass es das noch gibt.