Der TRIGEMA-Aufreger: Wie man im Social Web Wellen schlägt und sie wieder beruhigt.

Die letzten Tage gab es einige Aufregung um ein Interview des Blogs innovativ-in.de mit Wolgang Grupp, dem Inhaber von TRIGEMA. Darin antwortete Grupp auf die Frage “Was sagen Sie zu Social Media?” mit

Ich beschäftige mich damit nicht. Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten. Haben die Menschen eigentlich nichts Besseres zu tun, als über belanglosen Kram zu schreiben? Wen interessiert das?

Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung aus, im Blog wurden 170 Kommentare geschrieben und der Artikel 698 mal bei Twitter zitiert. In der Übersicht bei Radian6 sah es folgendermaßen aus: Die 980 Treffer verteilen sich – nicht überraschend – zu 95,7% auf Twitter und nur 3,3% auf Blogs:

Verlauf der Diskussion

 

Verteilung der Treffer

 

Ich kann nur sagen: Respekt zu der Leistung! Man kann die Social Media-Gemeinde ja auf mehrere Weisen reizen und damit aktivieren, und zwar

  • wenn man sie zensieren will (Nestle),
  • wenn man sie durch unangemessene Abmahnungen provoziert (Jack Wolfskin et al.) oder
  • wenn man sie beleidigt.

Dabei spielen noch Nebenfaktoren wie Bekanntheit, Image und Größe der handelnden Unternehmen eine Rolle. Wolfgang Grupp ist (bewusst oder unbewusst) den letzten Weg gegangen und er hat es geschafft, in kürzester Zeit eine große Welle im Social Web zu erzeugen.

Übrigens finde ich es immer wieder erstaunlich, wie leicht erregbar die Netzgemeinde ist. Wenn ein Mann wie Wolfgang Grupp im gleichen Interview zugibt, dass er dem Internet kritisch gegenübersteht und dementsprechend sich wenig damit beschäftigt, dann ist es sonnenklar, dass er Twitter kaum intensiver genutzt, somit nicht verstanden haben und ergo keine qualifizierte Meinung darüber abgeben kann. Insofern sollte man seine Aussagen eigentlich nicht zu persönlich nehmen. Oder wie ernst nimmt man so einen Spruch von einen Mann, der seit gefühlten 20 Jahren den gleichen schlecht synchronisierten Affen zur allerbesten Werbesendungszeit seine T-Shirts anpreisen lässt?

(Nebenbemerkung: Abseits vom Internet ist Herr Grupp mit Trigema sehr erfolgreich, und das seit langer Zeit. Seine unternehmerischen Fähigkeiten sind daher unbestritten. Ich persönlich habe großen Respekt davor.)

Nun könnte diese Geschichte so weitergehen wie in letzter Zeit häufig erlebt. Das Unternehmen distanziert sich vom Interview, man sei falsch verstanden worden, usw usf. Diesmal ist es anders: Wolfgang Grupp schreibt ein Statement an innovativ-in.de, in dem er seine Aussagen nicht revidiert, aber einordnet:

“Wir haben auch über Social Media gesprochen, unter anderem über Twitter. Dies ist sicher eine sehr zeitgemäße Kommunikationsmöglichkeit, aber es wird damit auch viel Unfug verbunden und ich habe erklärt, dass ich gewisse Leute nicht verstehe, weil sie jeglichen Unsinn in die Welt hinaus verbreiten und habe diese Leute dann salopp mit Idioten verglichen, die vielleicht nichts besseres zu tun haben, als solchen belanglosen Kram anderen mitzuteilen. Die sollte keine Generalisierung werden. Ich habe nämlich klar gesagt, dass alles positiv genutzt werden kann, genauso wie negativ und habe im Prinzip die negative Nutzung einer positiven Einrichtung kritisieren wollen.”

Im Anschluss daran entschuldigt er sich bei denen, die sich durch seine Aussagen beleidigt gefühlt haben. Wären die Reaktionen anderer Unternehmen doch auch so! Übers Ziel hinausgeschossen, Ärger ausgelöst, schnelle Reaktion mit Richtigstellung und ggf. Entschuldigung. Ergebnis: Die Sache ist aus der Welt. Gratulation, Herr Grupp!

Warum Social Media doch nichts für Unternehmen ist

Folgende vertrauliche Analyse aus einem Unternehmen ist mir letztens per E-Mail zugespielt worden. Ich veröffentliche sie hier mit unkenntlich gemachten Firmennamen. Sie zeigt deutlich, warum Social Media in Unternehmen noch einen schweren Stand hat:

—–Ursprüngliche Nachricht—–

Von: Huber, Ulf (UL-MKT Marketing) [mailto:Ulf.Huber@….de]
<;strong>Gesendet: Montag, 3. Mai 2010 13:40
An: Meyer-Schimbeck, Arno (UL-1 Geschaeftsfuehrung)
Betreff: Social Media Analyse

Sehr geehrter Herr Meyer-Schimbeck,

Sie hatten mich ja neulich mit der Untersuchung beauftragt, ob diese neuen Social Media-Sachen etwas für unsere Firma sind. Ich habe mit natürlich gleich in die Arbeit gestürzt. Ich kann Ihnen sagen, das ist alles gar nicht so einfach.

Als letztens dieser Coach hier war, klang ja anfangs alles noch ganz toll. Wir müssen uns nur bei ein paar Internet-Seiten anmelden und dort einfach nur so tun, wie wir wirklich sind, dann sprechen bald alle über uns und die Produkte verkaufen sich wie von selbst. Schon da wurde ich skeptisch! Kunden kaufen nicht nur Produkte, sie benutzen sie auch – und schreiben drüber! Das kann nicht gutgehen! Die Kunden können doch nicht einfach so drauflos schreiben, ohne uns zu fragen! Die verstehen doch gar nicht, was hinter den Produkten steckt.

Zum Beispiel unsere Initiative “Weniger ist mehr”: Sie haben doch gesagt, dass wir sparen müssen. Da haben wir natürlich gleich angefangen: In der Entwicklung haben wir den Kollegen gesagt, sie sollen nun nicht mehr soviel testen. Wir wollen schließlich die Produkte verkaufen, nicht selbst kaputtmachen. Das machen dann schon die Kunden für uns. Das Zeug muss raus! Controlling drängte auch schon – der Umsatz ist eingeplant, da muss das jetzt auf den Markt. Das merkt eh keiner, wenn’s noch nicht ganz fertig ist, sagen Sie ja immer. Wenn die Kunden jetzt aber darüber schreiben, weiß ich nicht, ob das so gut ist. Die könnten sich auch über das neue Plastik beschweren. Der Einkauf macht ja auch mit bei der Initiative und wollte es ganz billig haben. Da musste wieder China ran, die machen das immer zum Sonderpreis. Sogar die Bedienungsanleitung ist im Preis mit drin!

Für den Kundenservice ist das übrigens nicht so schlimm, wie man sich denken könnte. Die Damen dort sind sowieso überlastet, da macht ein Produkt mehr oder weniger auch nichts aus. Und der Schulze meint, mit der neuen 01805er-Warteschleife verdienen wir richtig gut. Er überlegt jetzt, absichtlich kaputte Produkte rauszuschicken. An der Hotline verdienen wir mehr als mit den eigentlichen Produkten, sagt er. Ich werde nachher mal dafür einen Businessplan entwickeln.

Dieser Coach meinte ja auch, wir sollten Zwitschern. Das müsste man jetzt so machen. Ich habe daraufhin dem Müller aus meiner Abteilung gesagt, er solle das mal Ausprobieren. Das hat er auch gleich gemacht, abends im Vereinsheim – ist ihm nicht gut bekommen. Piepenkötter aus dem Vertrieb hat Müller dann nach Hause geschleppt und hat es jetzt im Rücken. Also für den Vertrieb ist Zwitschern nichts. Da brauch mir der Coach nicht mehr mit kommen.

Und als ich meiner Frau abends erzählte, dass wir jetzt virale Werbung machen sollen, hat sie mich sofort zum Impfen geschickt. Die beim Arzt haben mich ganz schön blöd angeguckt, als ich mich gegen Twitter und Spots impfen lassen wollte. Klingt ja fast wie eine Geschlechtskrankheit. Habe dann die Impfung gegen Schweinegrippe genommen, die hilft bestimmt auch.

Was soll ich sagen. Dieses Social Media ist nichts für uns. Ich habe jetzt wieder die Anzeige in der Bäckerblume in Auftrag gegeben, die findet Ihre Frau doch auch immer so gut. Dem Coach habe ich gesagt, er brauche nicht mehr wiederkommen. Den sparen wir uns auch gleich mit.

Hochachtungsvoll

Huber

Der Netzerklärer. Die Münstersche Zeitung schreibt über meine Arbeit.

Da sage doch einer, die lokalen Zeitungen hätten den Zug der Zeit verpasst. Nach kurzem Twitter-Kontakt zu meiner Social-Media-Monitoring-Pressemitteilung mit @MZ_MUENSTER, dem Twitter-Account der Münsterschen Zeitung, meldete sich ihr Redakteur Ralf Heimann (auf Twitter übrigens unter @ralfheimann zu erreichen) und kam tags darauf bei mir im Büro vorbei. Nach längerem, sehr angeregtem Gespräch erschien dann am folgenden Samstag (27.3.2010) ein Artikel in der MZ, welcher die Inhalte und Zusammenhänge aus der Unterhaltung sehr gut darstellt. Das ist nicht immer selbstverständlich, darum freut mich das umso mehr. Mit freundlicher Genehmigung durch den Autor darf ich den Artikel nun hier wiedergeben:

Der Netzerklärer

Volker Meise berät Firmen, die in sozialen Netzwerken erfolgreich sein wollen

Münster – Der Wille ist da. Oder jedenfalls die Einsicht, dass es notwendig werden wird. Viele Unternehmen sehen in sozialen Netzwerken die Zukunft. Aber was sie tun müssen und was ihnen das nützen soll, wissen sie nicht. Dr. Volker Meise kann beides erklären. Es ist nicht immer leicht.

Die kleine Firma, die Meise im vergangenen Jahr gegründet hat, besteht aus einem Büro an der Fürstenbergstraße, einem Regal voller Bücher und einem Computer mit zwei Bildschirmen.

Der Rest des Firmenkapitals befindet sich in seinem Kopf und im Internet.

Volker Meise lebt zum einen davon, dass Webdesigner ihre Arbeit nicht gründlich machen. Er berät Unternehmen, wenn sie wissen wollen, warum trotz der schicken Website kaum jemand etwas kauft. Der andere Teil seiner Arbeit besteht darin, Unternehmen zu erklären, warum es schlecht ist, soziale Netzwerke zu ignorieren.

“Wenn man nicht darauf hört, was die Netzgemeinde sagt, kann das nach hinten losgehen”, sagt er.

Schwindel

Es gibt inzwischen einige Beispiele. Eines hat das soziale Netzwerk Xing geliefert, mit einer Werbekampagne, bei der es mit erfolgreichen Kunden warb, die eigene Mitarbeiter waren, wie sich später herausstellte.

Volker Meise kann mithilfe einer Software zeigen, welche Ausschläge die geglückte Kampagne verursachte und welche enormen Wellen die Enthüllung des Schwindels schlug.

Mit dem Programm kann er Unternehmen demonstrieren, wie erfolgreich Kampagnen in sozialen Netzwerken verlaufen – und wie grandios sie scheitern können. Wenn Kampagnen in der Vergangenheit von der Netzgemeinde vernichtet wurden, hatte das in den meisten Fällen die gleichen Gründe: Ein Schwindel flog auf oder Fehler wurden vertuscht. Das sind die Todsünden im Internet.

Die wichtigste Regel für Firmen im Netz kommt einem seltsam bekannt vor. Sie lautet: Ehrlich sein, Fehler eingestehen. Was das bedeutet, müssen viele Unternehmen erst lernen. “Früher haben Firmen versucht, einen Deckel draufzuhalten und die schlechten Nachrichten zu unterdrücken. Heute geht das nicht mehr. Die Nachrichten kommen überall wieder heraus”, sagt Volker Meise.

Wer sich der Diskussion nicht stellt, erlebt das, was dem Unternehmen Nestlé passierte, als es einen kritischen Film von Greenpeace aus dem Netz verschwinden lassen wollte. Erst empörte sich die Netzgemeinde, dann auch die übrigen Medien. Insgesamt Millionen.

Authentizität

Was hätte besser laufen können? “Wichtig ist das Wort ‘sozial'”, sagt Meise. Firmen präsentieren sich als Kommunikationspartner. So werden sie auch gesehen. Wenn man fragt, erwartet man eine Antwort, nicht gleich Post vom Anwalt. Es ist nicht anders als im Umgang mit Menschen. “Eigentlich ganz normal”, sagt Volker Meise.

Glaubwürdigkeit und Authentizität sind die großen Worte in sozialen Netzwerken. Firmen, die es schaffen, diesen Werten gerecht zu werden, können sich im Internet ein neues Publikum erschließen. Wenn sie das verstanden haben, hat Volker Meise ein großes Ziel schon erreicht.

Ralf.Heimann@muensterschezeitung.de

Download des Artikels als PDF

Der Netzerklärer

In eigener Sache: Jetzt Social Media Monitoring mit altares und Radian6

Über Social Media kann man wunderbar erzählen und schreiben, weil das Thema vergleichsweise neu, häufig recht komplex und manchmal ziemlich unberechenbar ist – sozial und menschlich eben. Da ist es umso wichtiger, Werkzeuge zur Hand zu haben, die es ermöglichen, den Erfolg in den sozialen Netzen etwas messbarer zu machen. Denn auch beim Thema Social Media gilt: Was sich nicht messen lässt, kann man schwer verbessern.

Umso mehr freue ich mich, dass heute meine Zusammenarbeit mit den Kollegen von der Düsseldorfer altares Mediamonitoring GmbH offiziell verkündet wird. Altares hat durch die Partnerschaft mit der Mindlab Solutions GmbH den Zugriff auf die kanadische Social Media Monitoring Lösung Radian6, eines der mächtigsten Tools auf dem Markt. Mit Radian6 lassen sich in Echtzeit Trends und Themen in den sozialen Netzen verfolgen. Neben dem so möglichen Informationsgewinn (und damit -vorsprung) in vielen Bereichen können Unternehmen auch ihre Social Media Aktivitäten beobachten und deren Erfolg messen (einige kleine Screenshots sind in den letzten Blogeinträgen ja schon aufgetaucht). Ein echter Mehrwert in Social Media Projekten!

 

Hier die offizielle Pressemitteilung:

Führende Lösung zur Social Media Beobachtung in Deutschland verfügbar

  • netmind Sphere powered by Radian6 wird von altares Mediamonitoring vertrieben
  • Dr. Volker Meise vervollständigt Kooperation mit strategischem Social Media Know-how

Düsseldorf/Esslingen/Münster, 22. März 2010: netmind Sphere ist eine der führenden Lösungen zur Beobachtung sämtlicher in Social Media publizierten Inhalte, basierend auf der Technologie des kanadischen Unternehmens Radian6. Die Esslinger Mindlab Solutions GmbH vertreibt in strategischer Partnerschaft mit der Düsseldorfer altares Mediamonitoring GmbH eine auf den hiesigen Bedarf angepasste Version von Radian6 im deutschsprachigen Raum. Radian6 durchsucht in Echtzeit mit maßgeschneiderten Schlüsselbegriffen Onlinemedien wie Blogs, Communities, Foren, Microblogs, offene soziale Netzwerke, Newsseiten und Wikipedia-Einträge. Das gilt für aktuelle wie auch historische Daten. Damit ist das System derzeit einzigartig im Markt.

Vielfältige Auswertungsfunktionen stehen unter der deutschsprachigen Oberfläche zur Analyse der Gespräche im Social Web bereit. Mehrere Dashboards, interaktive Widgets und individuelle Drill-down Funktionen machen die Arbeit mit netmind Sphere zu einer spannungs- und informationsintensiven Reise durch die Social Media Kommunikation.

Kommunikationsagenturen, Marketing- & PR-Verantwortliche sowie Produktmanager können damit Marken-, Produkt-, Image- und Wettbewerbs-Informationen sowie Aktivitäten in Blogs, Communities und weiteren relevanten Medien beobachten und analysieren. Ebenso aktuelle Themen und Trends erkunden, Medienresonanzanalysen durchführen und ein besseres Krisenmanagement betreiben.

Die Düsseldorfer haben sich die Dienste von Dr. Volker Meise gesichert. Meise berät Unternehmen zu allen Aspekten der Online-Strategie und bringt die Planungs- und Umsetzungskompetenz in die Partnerschaft mit ein.

Heinz D. Schultz, CEO der Mindlab Solutions GmbH: „Unsere Kunden erwarten professionelle Hilfestellung in allen Bereichen des Social Media Monitorings. Der Zuschnitt auf die deutschen Gegebenheiten und die Fachkompetenz von altares haben uns bewogen die enge Kooperation einzugehen. Gemeinsam mit altares werden wir die Internetquellen, wie Blogs, Microblogs und Foren gezielt für unsere Kunden in DACH ausbauen und optimieren. Wir wollen unseren Kunden deutsch-sprachigen Content in Radian6 ermöglichen und gleichzeitig hohe Beratungskompetenz bereitstellen.”

Dr. Volker Meise: „Social Media wird zukünftig integraler Bestandteil der Kommunikation von Unternehmen mit seinen Kunden und Geschäftspartnern sein. Neben einer individuell auf das Unternehmen zugeschnittenen Strategie ist das Monitoring der Aktivitäten in den sozialen Netzwerken essenziell, denn nur so kann man Meinungen und Strömungen im Netz erkennen und darauf reagieren.“

Oliver Range, Geschäftsführer der altares Mediamonitoring GmbH: „Durch die enge Kooperation mit Mindlab, Radian6 und Dr. Meise können wir maßgefertigt und leicht handhabbar ein 360°-Grad Mediamonitoring bieten, das alle Infokanäle in Print und Online ganzheitlich verbindet. Und das alles in Echtzeit – ein echter Vorsprung für unsere Kunden.“

Kontakt

altares Mediamonitoring GmbH

Oliver Range (GF)

Tel.: 0211 550262 0

oliver.range@altares.de

www.altares.de

Mindlab Solutions GmbH

Sibylle Steilner

Tel.: 0711 36550 0

Sibylle.Steilner@mindlab.de

www.mindlab.de

Online.Strategie.Beratung.

Dr. Volker Meise

Tel.: 0251 790572

volker.meise@meiseonlinestrategie.de

www.meiseonlinestrategie.de

Über altares

altares ist ein etablierter Anbieter webbasierter Lösungen für Kommunikations-, Investor Relations- und Compliance-Verantwortliche. Die altares Mediamonitoring versteht sich als Informationsdienstleister mit sämtlichen Leistungen rund um das nationale und internationale Mediamonitoring sowie für das strategische Themenmanagement. Etwa ein Drittel der DAX30-Unternehmen sind Kunden bei altares.

Über Mindlab

Mindlab bietet hochwertige Webcontrolling- & Customer Targeting-Lösungen für alle E-Commerce- und E-Business-Geschäftsmodelle an und trägt damit wesentlich zur Verkaufsförderung bei. Unsere Lösungen zählen zu den Besten im Markt und verschaffen Ihnen mit strategischen und taktischen Werkzeugen eine hervorragende Grundlage für die Steuerung all Ihrer Onlineaktivitäten. Wir garantieren den Onlineerfolg unserer Kunden. Mit netmind erhalten unsere Kunden Entscheidungssicherheit und Transparenz im E-Business. Das führt zu mehr Kundenzufriedenheit, bei höheren Umsätzen und Erträgen. Das Unternehmen mit Sitz in Esslingen beschäftigt heute über 40 Mitarbeiter.

Über Dr. Volker Meise

Mit seiner Online.Strategie.Beratung. unterstützt Dr. Volker Meise seine Kunden bei der Entwicklung und Umsetzung von individuellen Online-Strategien. Seine Schwerpunkte dabei sind neben der Strategie- und Produktentwicklung für digitale Märkte die Optimierung von Webauftritten sowie die Konzeption von Social Media Strategien.

Download der Pressemitteilung als PDF

Rechnet sich Twitter?

Wenn Unternehmen überlegen, ob sie Twitter einsetzen sollen, wird schnell die Frage gestellt, ob und wie sich das Twittern rechnet. Die Frage hat durchaus ihre Berechtigung, denn eine eingehende Beschäftigung mit Twitter (und nur so macht es Sinn) kostet vor allem (Arbeits-)Zeit, und diese ist selten frei verfügbar. Das Problem für die Twitter-Befürworter ist dann:

Twittern rechnet sich nicht. Zumindest nicht in den üblichen Direktmarketing-Denkschemata, die sich an Newslettern-Abonnentenzahlen, Zugriffen und Response-Raten orientieren:

  • Nimmt man die Zeit, die man für den Aufbau einer großen und guten Followerschaft benötigt, so ist jeder Adresskauf für einen simplen E-Mail Newsletter ein Schnäppchen.
  • Sehr viele deutsche Follower zu finden, ist sowieso nicht so einfach. Der Dienst hat zwar mittlerweile weltweit über 75 Millionen Nutzer, aber weniger als 15 Millionen davon sind wirklich aktiv. Der Rest hat einen Account, hört aber im besten Fall nur zu. Für Deutschland schätzt man ca. 230.000 aktive Nutzer. Das ist als Zielgruppe nicht wahnsinnig groß.
  • Es gibt keine Zahlen für Response-Raten, d.h. wie viele Follower auf getwitterte Links geklickt haben. Die dürften nach meiner Einschätzung aber auch äußerst gering sein. (Update: Gemeint sind Links in Werbe-Tweets)

Wenn man Twittern so nicht rechnen kann, warum sollte man es trotzdem tun? Dazu muss man sich vom Denkansatz des Direktmarketings lösen.

  1. Twitter ist kein weiterer Kanal, in dem man seine Angebote kippen kann. Twitter ist ein soziales Netzwerk, und das ist in erste Linie sozial. Und sozial heißt, dass sich Menschen miteinander unterhalten – und keine Werbeanzeigen untereinander austauschen.
  2. Twitter ist keine Einbahnstraße wie ein Newsletter, sondern Duplexkommunikation. Wenn man spricht, kommen Antworten zurück. Kommunikation statt Frontalbeschallung.
  3. Die Twittergemeinde ist nicht groß, sie umfasst aber viele Meinungsführer und Multiplikatoren. Wenn man diese positiv für sein Unternehmen oder seine Produkte einnimmt, dann strahlt das weit. Letzte Woche konnte man dies wieder sehr schön beobachten: Don Alphonso, “wortgewaltiger Anführer der Blog-Fundamentalisten” (Peter Turi) zeterte zuerst in der F.A.Z. gegen selbsternannte Social Media-Berater als “Schelmexperten” und legte dann im Blog noch einmal nach. Schaut man sich die Auswertung nach Begriffen wie “Schelmexperte” und “Schelm und Social Media” an, so sieht man deutlich, welche Welle ein gut vernetzter Vordenker auslösen kann (Der F.A.Z.Net-Artikel wurde am 16.2. nachmittags veröffentlicht. Die in den nächsten Tagen folgenden 229 Twitter-Meldungen gingen an über 217.000 Follower):
    Social Media Auswertung
  4. Twitter ist ein hervorragender Nachrichtenkanal. Wer den richtigen Leuten aus seiner Branche folgt, erfährt eine Menge interessanter Informationen. Und das sehr häufig früher, als es in den Online-Branchennews auftaucht (von Print gar nicht erst zu reden).
  5. Twitter kann Kunden binden (siehe z.B. hier). Das geht aber nur, wenn die Personen hinter dem Twitteraccount sichtbar werden. Oder würden Sie sich an einen Newsletter gebunden fühlen?
  6. Twitter ist eine Chance, mit seinen Kunden (und denen, die es werden wollen) ins Gespräch zu kommen. Dabei erfährt man aus erster Hand, wie die Kunden über das Unternehmen denken, bekommt Verbesserungsvorschläge und Lob – oder muss sich auch Kritik anhören. Letztes bietet die große Chance, bei Lösung des geschilderten Problems die verärgerten Kunden zu zufriedenen Kunden zu machen. Und dass diese gute Botschafter der eigenen Marke sind, brauche ich sicherlich nicht extra zu erwähnen… Ich habe einmal zwei Beispiele herausgesucht: Welchen Tweet würden Sie lieber über Ihr Unternehmen lesen?
    Twitter-Meldung über AliceTwitter-Meldung über VodafoneUwe Knaus, Manager Corporate Blogging & Social Media Strategy Communications bei Daimler, einem der aktivsten deutschen Konzerne in Sachen Social Media, spricht sogar vom “Risk of Ignoring” im Sinne von: Welches Risiko geht ein Unternehmen ein, wenn es Social Media ignoriert? Das kann im Zweifel eine Menge sein, wie auch der Fall Jack Wolfskin zeigt. Aber das ist ein eigenes Thema für sich.

Richtig genutzt ist Twitter also so etwas wie das Ohr im Markt oder ein direkter Draht zu den Kunden. Denen kann man auch mal ein Produkt empfehlen, wer sich aber darauf beschränkt, wird keinen Erfolg haben. Insofern lässt sich Twitter nicht nach ROI-Maßstäben rechnen. Vielleicht helfen aber einige der oben genannten Argumente, um Twitter doch für das eigene Unternehmen zu nutzen.

P.S. Dies ist die ausführliche Version meines Artikels in der Xing-Gruppe “Corporate Communikations”. Herzlichen Dank an dieser Stelle für die positiven Reaktionen darauf!

Top Mobile Internet Trends

Googles Stefan Keuchel aka @frischkopp wies gerade auf eine Präsentation von Matt Murphy und Mary Meeker der kalifornischen VC-Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB,http://www.kpcb.com/) hin. Die beiden Autoren stellen die Top 10 Trends des mobilen Internets vor und belegen die beeindruckenden Wachstumsszenarien mit realen Zahlen.

Viel deutlicher kann man den aktuellen Mega-Trend nicht aufzeigen. Dem Schlusswort von John Doerr, Partner bei KPCB, kann ich mich nur anschließen und ich freue mich auf die Auswirkungen:

“We’re at the beginning of a new era for social Internet innovators who are re-imagining and re-inventing a Web of people and places, looking beyond documents and websites.”

Hier die Präsentation bei SlideShare. Viel Spaß bei der Lektüre.

http://www.slideshare.net/kleinerperkins/kpcb-top-10-mobile-trends-feb-2011

Was soll Buzz? Google in der strategischen Klemme

Gestern wurde auch bei mir Google Buzz freigeschaltet, dessen Launch am vorgangenen Dienstag Abend ja ein dem Namen entsprechendes Medienecho ausgelöst hat. Ich will an dieser Stelle keine langwierige Bewertung vornehmen, das haben andere bereits getan (eine Übersicht gibt es z.B. hier). Interessant fand ich aber, dass neben der hierzulande üblichen eher vorsichtigen Aufnahme des neuen Dienstes auch international insbesondere auf die Datenschutzproblematik hingewiesen wurde (auf die Google übrigens bereits bemerkenswert schnell reagiert hat). Zudem war in den meisten Artikeln eine Skepsis zu erkennen, ob sich Google Buzz gegen die Konkurrenz aus Facebook und Twitter durchsetzen bzw. etablieren kann. Häufig wird darauf verwiesen, dass ein Buzz eine Zusammenführung bestehender Funktionen sei, aber das “Killer-Feature” fehle. Dem schließe ich mich an.

Für Google ist der Launch eines solchen wichtigen Dienstes ohne wirklichen Überraschungseffekt eher ungewöhnlich. Normalerweise ist das Unternehmen eines der kreativsten im Web und verblüffte bisher regelmäßig mit seinen innovativen Ansätzen (so z.B. Google Goggles). Warum bringt Google also “Yet another Social Media Service” heraus?

Weil Google in einer strategischen Klemme sitzt.

Googles Geschäftsmodell ist es, Werbung auf den eigenen Diensten (Suche, Gmail, Youtube usw.) zu verkaufen. Das passiert hauptsächlich im Umfeld der Suche oder der Anzeige der Inhalte (die im Zweifel über die Suche gefunden wurden). Das funktioniert aber nur, wenn die Inhalte frei im Web oder in den Google-Diensten verfügbar und damit indexierbar sind. Sind sie es nicht, bekommt Google ein Problem. Und genau das passiert gerade: Googles Geschäftsmodell wird derzeit an zwei Fronten angegriffen.

Facebook ist mit 400 Millionen aktiven Nutzern zu einer Größe gewachsen, dass es ein Netz im Netz darstellt. Unternehmen haben Fanseiten oder Gruppen, die Nutzer ihre Profile. Facebook-Nutzer gebrauchen die internen Suchmöglichkeiten und tauschen sich über Nachrichten und Statusupdates aus – ohne Google Suche. Die einzige Werbung, welche die Nutzer sehen, ist die von Facebook geschaltete – Google bleibt auch hier außen vor. Ähnlich verhält es sich mit Twitter. Die Nutzerzahlen sind nicht so beeindruckend (75 Millionen, davon 15 Millionen regelmäßig aktiv), aber die Meinungsführer und Multiplikatoren sind dort vertreten und twittern die neuesten Nachrichten schneller, als Nachrichten-Webseiten ihre Artikel publizieren können – und damit Google News diese aggregieren kann. Webseiten oder Blogs werden durch Follower empfohlen, die Google-Suche braucht nicht bemüht zu werden. Wenn Twitter und Facebook weiter so wachsen, kann das für Google zu einem echten Umsatzproblem führen.

Apple wächst ebenso und hat schon 175 Millionen Nutzer beim iTunes Store. Mit iPad und iBooks werden es wahrscheinlich noch mehr. Wer digitale Musik, Filme oder in Zukunft Bücher sucht, tut das bei iTunes bzw. iBooks und kauft diese auch dort. Der Prozess läuft in einem geschlossenem System, welches vollständig von Apple kontrolliert wird. Google hat dabei keine Möglichkeit, irgendwo einzugreifen. So ist auch zu verstehen, warum Google sich stark im Android-Konsortium für das mobile Betriebssystem engagiert und letztens mit dem Nexus One sogar ein eigenes Smartphone herausgebracht hat: Um das Ende der Verwertungskette, die Endgeräte, nicht vollständig der Konkurrenz zu überlassen. Denn wer die Programme, Formate oder Schnittstellen am Ende der Kette kontrolliert, hat auch die Vorstufen im Web in der Hand. Und kann damit über die Schaltung von Werbung dort entscheiden.

Die Zukunft könnte für Google weitere Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Dem Vernehmen nach bastelt Facebook an einem eigenen Mailsystem, was sicher viele Nutzer zum Wechsel von Gmail weg ganz zu Facebook bewegen würde. Und sollten Apple und Facebook einmal auf die Idee kommen, den iTunes Store zusätzlich in Facebook zu integrieren (was durchaus für beide Seiten Sinn machen würde), wäre Google komplett aus dem System ausgegrenzt. Keine schönen Aussichten für den Suchmaschinenprimus.

Bei der Bedrohung durch Apples Übernahme der digitalen Verwertungskette hat Google mit Android also schon reagiert. Google Buzz ist jetzt der Versuch, gegen die Vorherrschaft von Facebook und Twitter bei den sozialen Netzwerken etwas entgegen zu setzen. Und da Facebook bereits einen riesigen Vorsprung bei den Nutzern hat und mit beeindruckenden Raten weiter wächst, muss Google alle Möglichkeiten ausschöpfen, um schnell auf eine ausreichende Nutzerbasis zu kommen. Buzz ist der nächste Versuch, und wenn er nicht funktioniert, wird es weitere geben. Ich bin gespannt, was der Suchmaschinengigant sich noch so einfallen lässt.

 

Das iPad, Googles Tablet und die Folgen für Verlage

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ja zum Schluss gesagt, ich sei gespannt, was der nächste Schritt von Google als Reaktion auf die Vorstellung von Apples iPad ist. Nun gibt es die ersten Konzepte eines Tablet-PCs auf der Basis von Chrome, dem Google-Betriebssystem.

Google Tablet

Das Bedienkonzept wurde im Chromium-Blog veröffentlicht und zeigt, wie sich die Entwickler den Umgang mit einer Chrome-Tablet-Oberfläche vorstellen. Weitere Informationen zum Google-Tablet Entwurf hat auch das Basic Thinking Blog zusammengetragen.

Neben den technischen Aspekten der kommenden Geräte von Apple, Google & Co. sind die Folgen für den Markt der digitalen Inhalte extrem spannend. Die Pläne von Google zum Tablet sind ein weiterer Beleg, in welche Richtung sich die Nutzung des Webs und insbesondere der Umgang mit Inhalten entwickeln wird: Die neuen Endgeräte sind

  • mobil,
  • handlich,
  • einfach zu bedienen und
  • immer mit dem Web verbunden.

Genau deshalb werden sie ein Erfolg insbesondere bei der Zielgruppe, welcher derzeit noch die Technik zu umständlich ist. Die iPads und Tablets haben zum ersten Mal das Potenzial, die gedruckte Zeitung oder das Buch am Frühstückstisch oder auf dem Sofa abzulösen. Und zwar nicht nur aufgrund ihres tollen Designs, sondern weil man mit ihnen nicht nur Texte lesen kann, sondern nun wirklich die multimediale Zeitung in der Hand hält und mitnehmen kann – und nicht nur auf dem Bildschirm vor sich sieht. Ich prophezeie, dass alle Leser, die dieses Erlebnis einmal genossen haben, nicht mehr zur gedruckten Lektüre zurückkehren wollen. Das wird vielleicht nicht mit den ersten Versionen der Tablets passieren, früher oder später aber auf jeden Fall.

Die Folgen für die Verlage

Extrem spannend wird es jetzt für die Verlage, welche ihr Hauptgeschäft noch mit Print machen und für Online kein funktionierendes Geschäftsmodell haben – also für so ziemlich alle. Wenn sich die iPads durchsetzen, dann reicht vielen Lesern sicherlich statt der gedruckten Frühstückslektüre der Blick morgens auf werbefinanzierte Nachrichtenseiten wie Spiegel Online und das Print-Abo wird gekündigt.

Jetzt gilt es, so schnell wie möglich ein Geschäftsmodell zu finden, welches auf mindestens zwei Beinen steht:

  • Zum einen als App für die Apple-Welt aus iPad, iPhone, iTunes und iBook. Hier ist die Refinanzierung einfach: Sie erfolgt über Apples paid content Konzept.
  • Zum anderen als Webangebot, welches sich über Werbung oder als eigenes Abo-Angebot finanzert.

Beide Plattformen müssen parallel bedient werden, um auf ausreichend Leser zu kommen. Neben der technischen Herausforderung muss eine Lösung gefunden werden, die Angebote für zahlende Abonnenten ausreichend von den freien, werbefinanzierten Seiten abzuheben und zu differenzieren. Aber genau das ist ja jetzt schon das Problem, zumal die Konkurrenz für die Verlage zunimmt. Jetzt sind also kreative Lösungen unter noch mehr Zeitdruck gefragt.

Das Web vereint das Beste aus Print und TV

Erfolgreiche Angebote werden in Zukunft noch mehr als jetzt aus der Kombination von Texten, Videos, Kommentaren und interaktiven Elementen bestehen. Um das zu realisieren, muss man kein Verlag sein. Beste Ausgangspositionen haben TV-Sender, welche die Inhalte sowieso vorhalten und mit Nachrichtenseiten auch ihr Programm promoten. Die Seite von RTL geht schon in diese Richtung.

Googles Chief Economist Hal Varian hat noch auf einen anderen Aspekt hingewiesen:

“The verticals that drive traffic are things like sports, weather and current news, but the money is in things like travel and shopping. Pure news is the unique product that newspapers provide, but it is very hard to monetize.”

Das bedeutet, dass die Verlage sich von reinen Nachrichten-Dienstleistern zu Vermittlern von umsatzstarken Leistungen anderer Branchen entwickeln müssen. Das dürfte ziemlich am journalistischen Selbstverständnis kratzen – zu Recht. Es gilt daher, einen neuen Weg zu finden, der journalistische Unabhängigkeit und Qualität mit der Vermarktung inhaltlich verbundener Dienstleistungen verbindet. Nur das dürfte langfristig das Überleben der Verlage sichern.

iPad und NexusOne: Apple und Google sind sich einig über die Zukunft des Webs

Gestern stellte Steve Jobs das langersehnte und schon im Vorfeld mächtig gehypte iPad vor. Die Bewertungen bisher sind unterschiedlich, einige sind enttäuscht ob der fehlenden Features (eine Übersicht bei derStandard.at), andere bemängelten die ausbleibende Lösung der Probleme der Verleger bei der digitalen Vermarktung ihres Contents (so z.B. Carta), und die Apple-Jünger finden das Gerät wie erwartet genial (siehe die Kommentare bei Apfeltalk).

Ich halte es mit der Einschätzung wie Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache): Das iPad ist ein klasse Gadget, welches die Nutzung des Webs und digitaler Inhalte viel besser in das tägliche Leben integriert, als es PC, Notebook oder Netbook tun. Und es ist (wie so ziemlich alles von Apple) cool. Allein deshalb wird sich das iPad durchsetzen. Dass Apple dieses mal nicht das Internet revolutioniert hat – was soll’s. Nach iPod/iTunes und iPhone/AppStore war die Kombination iPad/iBook irgendwie zu erwarten. Man kann ja auch nicht alle naselang das Web neu erfinden.

Apple und Google im Gleichklang

Was ich am Launch des iPad noch spannender als die Diskussion um Functions & Features finde, ist die konsequente Umsetzung der dahinterliegenden Apple-Strategie – und die Übereinstimmung mit den Ansichten von Google. Amir Kassaei hat Apples Vision treffend mit “Digital Lifestyle Strategy” bezeichnet. Ihre Kurzform: Apple will die Nutzung der digitaler Infrastruktur allen Menschen – nicht nur den technik-affinen – ermöglichen und schneidet daher Endgeräte, Software, Prozesse und Design äußerst konsequent auf dieses Ziel zu. Das Ergebnis sind schlanke iPods/Phones/Pads, die sich extrem einfach bedienen lassen und zudem sehr eng mit dem Web verbunden sind.

Der Erfolg bestätigt Apple in der Richtigkeit seiner Strategie. Und Google steuert in die gleiche Richtung. Mit Chrome als Browser und Betriebssystem, Android als Mobilplattform und dem NexusOne als erstes eigenes Endgerät verfolgt der Suchmaschinengigant ebenfalls das Ideal des schlanken, auf Webdienste ausgerichteten Dienstes. Und wie auch in der hervorragenden Analyse von Christoph Kappes sehr stringent hergeleitet zu lesen ist, versucht Google damit die gesamte Wertschöpfungskette von den Inhalten bis zum Endnutzer unter Kontrolle zu halten – genau wie Apple. Der Unterschied ist nur, dass Apple am Inhalteverkauf direkt verdient, Google hingegen “nur” an der Schaltung von Werbung parallel zur Nutzung der Inhalte. Daher kann Google auch kein Interesse haben, dass sich ein geschlossenes System wie das von Apple durchsetzt.

In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Großen dann doch. Ich bin gespannt, was der nächste Schritt von Google ist.

Meinung, Moderation, Kompetenz: Wie Verlage gegen Google bestehen können.

Zwischen Journalisten, Verlegern und Web-Experten brandet die Diskussion um tragfähige Geschäftsmodelle für Inhalte im Web immer höher. Während die einen Inhalte-Aggregatoren wie Google und die verbreitete Kostenlos-Mentalität für die Erfolglosigkeit der bisherigen Versuche verantwortlich machen, verweisen die anderen auf einzelne durchaus erfolgreiche Beispiele und fordern auf, mehr Kreativität bei der Erfindung neuer Geschäftsmodelle an den Tag zu legen. Beide Seiten haben von ihrem Standpunkt aus gewiss recht, wenn sie auf die aktuellen Schwierigkeiten bei der Monetarisierung von Inhalten hinweisen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass viele Diskutanten mittlerweile der Meinung sind, mit dem richtigen Geschäftsmodell habe sich das Problem erledigt und die Migration von Print zu Online sei erfolgreich abgeschlossen. Das wäre allerdings so, als würde man bei Opel denken, mit einer neuen Organisation würden sich die gleichen Autos wie früher nun plötzlich wie geschnitten Brot verkaufen.

Die besten Geschäftsmodelle nutzen nichts, wenn die Inhalte nicht die Leser so überzeugen, dass sie dafür zahlen würden. Mit welchen Geschäftsmodell auch immer. Die entscheidende Frage ist also: Wofür sind Leser bereit, zu zahlen? Die Antwort ist, allgemein gesagt: Für ein Angebot, welches ihre Bedürfnisse genau befriedigt und welches nirgendwo anders gar nicht oder nicht zu dem Preis zu bekommen wäre.

Also kurz gesagt Nutzen, Preis und Alleinstellung. Wenn man sich diese drei Punkte genauer anschaut, kristallisiert sich schnell ein Hauptproblem heraus: Die Bedürfnisse einer Zielgruppe zu treffen ist mit einer vernünftigen Produktentwicklung kein Problem, und viele Angebote werden ja auch von den Nutzern sehr positiv bewertet. Auch die Preisfestlegung stellt keine unüberwindliche Hürde dar. Somit bleibt die eine große Herausforderung: Wie kann ich mein Angebot von dem der Konkurrent differenzieren und mich so von anderen absetzen?

Meiner Meinung nach ist das ein Dreiklang aus Kompetenz, Meinung und Moderation:

Kompetenz.

Wer über eine Sache berichtet, sollte Ahnung davon haben. Sonst vertreibt man diejenigen, welche es besser wissen zu Spezialistenangeboten und kann allen anderen das Thema nicht erklären, sodass diese ebenfalls das Interesse verlieren. Nun ist es leicht, mehr Kompetenz zu fordern – aber Kompetenz kostet Geld, und das ist in der Regel nicht unendlich vorhanden. Die Lösung ist, sich zu fokussieren. Eine lokale Zeitung kann beispielsweise in der Regel mit der Berichterstattung von überregionalen Blättern über bundespolitische Themen nicht mithalten und dieser Rückstand ist auch nur schwerlich aufzuholen. Jeder Euro, der in den Ausbau dieses Themengebietes gesteckt werden würde, würde ohne Wirkung auf mögliche neue Leser verpuffen. Im Gegenzug muss die lokale Berichterstattung das Zugpferd regionaler Blätter sein: Hier liegen die Stärken, hier kann ein deutliches Alleinstellungsmerkmal insbesondere gegenüber der großen überregionalen Konkurrenz geschaffen werden.
In diesem Sinne sollte sich jeder Inhalteproduzent überlegen, welche Stärken er zu einem echten Alleinstellungsmerkmal ausbauen kann und bei welchen Themen er besser den Aufwand reduziert und eventuell mit anderen, dort besser postierten Anbietern kooperiert.

Meinung.

Wer nur Nachrichten als reine Information über das Weltgeschehen sieht, ist mit den Meldungen der Nachrichtenagenturen bestens bedient. Diese findet man in fast allen Nachrichtenquellen und damit auch vielfach in Google News aggregiert. Wie schon früher dargelegt ist es für Inhalteproduzenten daher ein vergebliches Unterfangen, sich mit der Produktion von reinen Nachrichten von der Konkurrenz unterscheiden zu wollen – es sei denn, man hat Exklusivität. Aber diese ist in den seltensten Fällen langfristig aufrecht zu erhalten, sodass sich kein nachhaltiges Geschäftsmodell darauf aufbauen lässt.

Wenn sich mit der Produktion von reinen Nachrichten kein Vorsprung erzielen lässt, womit dann? Mit einer Konzentration auf die Tugenden der redaktionellen Arbeit: die bewusste Auswahl, Zusammenstellung, Einordnung und Kommentierung von Nachrichten. Und dazu bedarf es neben einer guten Kenntnis des Themas insbesondere eines eigenen Standpunktes, an der sich die Arbeit mit Nachrichten orientiert. Ich meine damit nicht, dass die Berichterstattung nur dazu dienen soll, die eigene Meinung zu unterstützen und alle anderen Sichtweisen auszublenden. Mir geht es um die Einnahme eines Standpunkts, die transparente Darlegung dieser Tatsache und die Kommentierung anhand einer Leitlinie. Das ist dann eine subjektiv Sicht, aber sie ist bewusst und transparent subjektiv. Wer unbedingte Objektivität fordert, sollte sich ein wenig mit Wissenschafts- und Erkenntnistheorie befassen. Dann wird schnell klar, dass es die reine neutrale Objektivität nie geben kann – jede Ausage eines Subjekts ist subjektiv. Da ist es ehrlicher, eine Subjektivität auch als solche zu kennzeichnen.

Die Einnahme es Standpunkts ist nun, was die automatische Aggregation von Inhalten nie sein kann: Eine Unterscheidung von anderen, eine Herausstellung des eigenen Tuns (aus Marketing-Sicht eine unique selling proposition (USP)). Also genau das, was Leser oder Nutzer an das eigene Angebot bindet.

Moderation.

Es ist schwer, kompetent auf allen Feldern der Berichterstattung zu sein. Das ist aber auch nicht dramatisch, solange man nicht vorgibt, genau dies zu sein. Denn auch außerhalb von Redaktionen ist viel Wissen in den Köpfen der Leser versammelt, und diese haben mit dem Web 2.0 nun auch die Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen.

Eine gute Redaktion z.B. einer Zeitung bindet daher die Leser mit ein und moderiert die Diskussionen zu den Themen. Die Beiträge von Lesern können manchmal wichtiger und interessanter für andere Leser sein als der Ausgangsartikel selbst. Solange die Diskussionen auf den Webseiten der Zeitung stattfinden, wird dies als Erweiterung des Angebots wahrgenommen und wertgeschätzt. Und wenn sich Leser erst einmal in einem Diskussionsforum eine Reputation aufgebaut haben, wollen sie diese so schnell nicht wieder aufgeben. Eine nachhaltige Leserbindung ist die Folge.

Fazit

Übrigens werden die Kriterien Kompetenz, Meinung und Moderation bereits von einer Gruppe von elektronischen Publikationen erfüllt: von den erfolgreichen Blogs. Schon bei einer kurzen Analyse sieht man, dass die Blogs sich meistens auf ein Thema beschränken, sich die Blogger dort sehr gut auskennen, ihre Meinung deutlich kundtun und die Diskussionen nach den Artikeln teilweise auf sehr hohem Niveau geführt und moderiert werden. Der Dreiklang Kompetenz, Meinung und Moderation funktionert also, jetzt muss noch das richtige Geschäftsmodell gefunden werden. Und dafür gibt es ja viele Vordenker…