Top Mobile Internet Trends

Googles Stefan Keuchel aka @frischkopp wies gerade auf eine Präsentation von Matt Murphy und Mary Meeker der kalifornischen VC-Firma Kleiner Perkins Caufield & Byers (KPCB,http://www.kpcb.com/) hin. Die beiden Autoren stellen die Top 10 Trends des mobilen Internets vor und belegen die beeindruckenden Wachstumsszenarien mit realen Zahlen.

Viel deutlicher kann man den aktuellen Mega-Trend nicht aufzeigen. Dem Schlusswort von John Doerr, Partner bei KPCB, kann ich mich nur anschließen und ich freue mich auf die Auswirkungen:

“We’re at the beginning of a new era for social Internet innovators who are re-imagining and re-inventing a Web of people and places, looking beyond documents and websites.”

Hier die Präsentation bei SlideShare. Viel Spaß bei der Lektüre.

http://www.slideshare.net/kleinerperkins/kpcb-top-10-mobile-trends-feb-2011

Das iPad, Googles Tablet und die Folgen für Verlage

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ja zum Schluss gesagt, ich sei gespannt, was der nächste Schritt von Google als Reaktion auf die Vorstellung von Apples iPad ist. Nun gibt es die ersten Konzepte eines Tablet-PCs auf der Basis von Chrome, dem Google-Betriebssystem.

Google Tablet

Das Bedienkonzept wurde im Chromium-Blog veröffentlicht und zeigt, wie sich die Entwickler den Umgang mit einer Chrome-Tablet-Oberfläche vorstellen. Weitere Informationen zum Google-Tablet Entwurf hat auch das Basic Thinking Blog zusammengetragen.

Neben den technischen Aspekten der kommenden Geräte von Apple, Google & Co. sind die Folgen für den Markt der digitalen Inhalte extrem spannend. Die Pläne von Google zum Tablet sind ein weiterer Beleg, in welche Richtung sich die Nutzung des Webs und insbesondere der Umgang mit Inhalten entwickeln wird: Die neuen Endgeräte sind

  • mobil,
  • handlich,
  • einfach zu bedienen und
  • immer mit dem Web verbunden.

Genau deshalb werden sie ein Erfolg insbesondere bei der Zielgruppe, welcher derzeit noch die Technik zu umständlich ist. Die iPads und Tablets haben zum ersten Mal das Potenzial, die gedruckte Zeitung oder das Buch am Frühstückstisch oder auf dem Sofa abzulösen. Und zwar nicht nur aufgrund ihres tollen Designs, sondern weil man mit ihnen nicht nur Texte lesen kann, sondern nun wirklich die multimediale Zeitung in der Hand hält und mitnehmen kann – und nicht nur auf dem Bildschirm vor sich sieht. Ich prophezeie, dass alle Leser, die dieses Erlebnis einmal genossen haben, nicht mehr zur gedruckten Lektüre zurückkehren wollen. Das wird vielleicht nicht mit den ersten Versionen der Tablets passieren, früher oder später aber auf jeden Fall.

Die Folgen für die Verlage

Extrem spannend wird es jetzt für die Verlage, welche ihr Hauptgeschäft noch mit Print machen und für Online kein funktionierendes Geschäftsmodell haben – also für so ziemlich alle. Wenn sich die iPads durchsetzen, dann reicht vielen Lesern sicherlich statt der gedruckten Frühstückslektüre der Blick morgens auf werbefinanzierte Nachrichtenseiten wie Spiegel Online und das Print-Abo wird gekündigt.

Jetzt gilt es, so schnell wie möglich ein Geschäftsmodell zu finden, welches auf mindestens zwei Beinen steht:

  • Zum einen als App für die Apple-Welt aus iPad, iPhone, iTunes und iBook. Hier ist die Refinanzierung einfach: Sie erfolgt über Apples paid content Konzept.
  • Zum anderen als Webangebot, welches sich über Werbung oder als eigenes Abo-Angebot finanzert.

Beide Plattformen müssen parallel bedient werden, um auf ausreichend Leser zu kommen. Neben der technischen Herausforderung muss eine Lösung gefunden werden, die Angebote für zahlende Abonnenten ausreichend von den freien, werbefinanzierten Seiten abzuheben und zu differenzieren. Aber genau das ist ja jetzt schon das Problem, zumal die Konkurrenz für die Verlage zunimmt. Jetzt sind also kreative Lösungen unter noch mehr Zeitdruck gefragt.

Das Web vereint das Beste aus Print und TV

Erfolgreiche Angebote werden in Zukunft noch mehr als jetzt aus der Kombination von Texten, Videos, Kommentaren und interaktiven Elementen bestehen. Um das zu realisieren, muss man kein Verlag sein. Beste Ausgangspositionen haben TV-Sender, welche die Inhalte sowieso vorhalten und mit Nachrichtenseiten auch ihr Programm promoten. Die Seite von RTL geht schon in diese Richtung.

Googles Chief Economist Hal Varian hat noch auf einen anderen Aspekt hingewiesen:

“The verticals that drive traffic are things like sports, weather and current news, but the money is in things like travel and shopping. Pure news is the unique product that newspapers provide, but it is very hard to monetize.”

Das bedeutet, dass die Verlage sich von reinen Nachrichten-Dienstleistern zu Vermittlern von umsatzstarken Leistungen anderer Branchen entwickeln müssen. Das dürfte ziemlich am journalistischen Selbstverständnis kratzen – zu Recht. Es gilt daher, einen neuen Weg zu finden, der journalistische Unabhängigkeit und Qualität mit der Vermarktung inhaltlich verbundener Dienstleistungen verbindet. Nur das dürfte langfristig das Überleben der Verlage sichern.

iPad und NexusOne: Apple und Google sind sich einig über die Zukunft des Webs

Gestern stellte Steve Jobs das langersehnte und schon im Vorfeld mächtig gehypte iPad vor. Die Bewertungen bisher sind unterschiedlich, einige sind enttäuscht ob der fehlenden Features (eine Übersicht bei derStandard.at), andere bemängelten die ausbleibende Lösung der Probleme der Verleger bei der digitalen Vermarktung ihres Contents (so z.B. Carta), und die Apple-Jünger finden das Gerät wie erwartet genial (siehe die Kommentare bei Apfeltalk).

Ich halte es mit der Einschätzung wie Thomas Knüwer (Indiskretion Ehrensache): Das iPad ist ein klasse Gadget, welches die Nutzung des Webs und digitaler Inhalte viel besser in das tägliche Leben integriert, als es PC, Notebook oder Netbook tun. Und es ist (wie so ziemlich alles von Apple) cool. Allein deshalb wird sich das iPad durchsetzen. Dass Apple dieses mal nicht das Internet revolutioniert hat – was soll’s. Nach iPod/iTunes und iPhone/AppStore war die Kombination iPad/iBook irgendwie zu erwarten. Man kann ja auch nicht alle naselang das Web neu erfinden.

Apple und Google im Gleichklang

Was ich am Launch des iPad noch spannender als die Diskussion um Functions & Features finde, ist die konsequente Umsetzung der dahinterliegenden Apple-Strategie – und die Übereinstimmung mit den Ansichten von Google. Amir Kassaei hat Apples Vision treffend mit “Digital Lifestyle Strategy” bezeichnet. Ihre Kurzform: Apple will die Nutzung der digitaler Infrastruktur allen Menschen – nicht nur den technik-affinen – ermöglichen und schneidet daher Endgeräte, Software, Prozesse und Design äußerst konsequent auf dieses Ziel zu. Das Ergebnis sind schlanke iPods/Phones/Pads, die sich extrem einfach bedienen lassen und zudem sehr eng mit dem Web verbunden sind.

Der Erfolg bestätigt Apple in der Richtigkeit seiner Strategie. Und Google steuert in die gleiche Richtung. Mit Chrome als Browser und Betriebssystem, Android als Mobilplattform und dem NexusOne als erstes eigenes Endgerät verfolgt der Suchmaschinengigant ebenfalls das Ideal des schlanken, auf Webdienste ausgerichteten Dienstes. Und wie auch in der hervorragenden Analyse von Christoph Kappes sehr stringent hergeleitet zu lesen ist, versucht Google damit die gesamte Wertschöpfungskette von den Inhalten bis zum Endnutzer unter Kontrolle zu halten – genau wie Apple. Der Unterschied ist nur, dass Apple am Inhalteverkauf direkt verdient, Google hingegen “nur” an der Schaltung von Werbung parallel zur Nutzung der Inhalte. Daher kann Google auch kein Interesse haben, dass sich ein geschlossenes System wie das von Apple durchsetzt.

In diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Großen dann doch. Ich bin gespannt, was der nächste Schritt von Google ist.

Meinung, Moderation, Kompetenz: Wie Verlage gegen Google bestehen können.

Zwischen Journalisten, Verlegern und Web-Experten brandet die Diskussion um tragfähige Geschäftsmodelle für Inhalte im Web immer höher. Während die einen Inhalte-Aggregatoren wie Google und die verbreitete Kostenlos-Mentalität für die Erfolglosigkeit der bisherigen Versuche verantwortlich machen, verweisen die anderen auf einzelne durchaus erfolgreiche Beispiele und fordern auf, mehr Kreativität bei der Erfindung neuer Geschäftsmodelle an den Tag zu legen. Beide Seiten haben von ihrem Standpunkt aus gewiss recht, wenn sie auf die aktuellen Schwierigkeiten bei der Monetarisierung von Inhalten hinweisen. Ich habe allerdings das Gefühl, dass viele Diskutanten mittlerweile der Meinung sind, mit dem richtigen Geschäftsmodell habe sich das Problem erledigt und die Migration von Print zu Online sei erfolgreich abgeschlossen. Das wäre allerdings so, als würde man bei Opel denken, mit einer neuen Organisation würden sich die gleichen Autos wie früher nun plötzlich wie geschnitten Brot verkaufen.

Die besten Geschäftsmodelle nutzen nichts, wenn die Inhalte nicht die Leser so überzeugen, dass sie dafür zahlen würden. Mit welchen Geschäftsmodell auch immer. Die entscheidende Frage ist also: Wofür sind Leser bereit, zu zahlen? Die Antwort ist, allgemein gesagt: Für ein Angebot, welches ihre Bedürfnisse genau befriedigt und welches nirgendwo anders gar nicht oder nicht zu dem Preis zu bekommen wäre.

Also kurz gesagt Nutzen, Preis und Alleinstellung. Wenn man sich diese drei Punkte genauer anschaut, kristallisiert sich schnell ein Hauptproblem heraus: Die Bedürfnisse einer Zielgruppe zu treffen ist mit einer vernünftigen Produktentwicklung kein Problem, und viele Angebote werden ja auch von den Nutzern sehr positiv bewertet. Auch die Preisfestlegung stellt keine unüberwindliche Hürde dar. Somit bleibt die eine große Herausforderung: Wie kann ich mein Angebot von dem der Konkurrent differenzieren und mich so von anderen absetzen?

Meiner Meinung nach ist das ein Dreiklang aus Kompetenz, Meinung und Moderation:

Kompetenz.

Wer über eine Sache berichtet, sollte Ahnung davon haben. Sonst vertreibt man diejenigen, welche es besser wissen zu Spezialistenangeboten und kann allen anderen das Thema nicht erklären, sodass diese ebenfalls das Interesse verlieren. Nun ist es leicht, mehr Kompetenz zu fordern – aber Kompetenz kostet Geld, und das ist in der Regel nicht unendlich vorhanden. Die Lösung ist, sich zu fokussieren. Eine lokale Zeitung kann beispielsweise in der Regel mit der Berichterstattung von überregionalen Blättern über bundespolitische Themen nicht mithalten und dieser Rückstand ist auch nur schwerlich aufzuholen. Jeder Euro, der in den Ausbau dieses Themengebietes gesteckt werden würde, würde ohne Wirkung auf mögliche neue Leser verpuffen. Im Gegenzug muss die lokale Berichterstattung das Zugpferd regionaler Blätter sein: Hier liegen die Stärken, hier kann ein deutliches Alleinstellungsmerkmal insbesondere gegenüber der großen überregionalen Konkurrenz geschaffen werden.
In diesem Sinne sollte sich jeder Inhalteproduzent überlegen, welche Stärken er zu einem echten Alleinstellungsmerkmal ausbauen kann und bei welchen Themen er besser den Aufwand reduziert und eventuell mit anderen, dort besser postierten Anbietern kooperiert.

Meinung.

Wer nur Nachrichten als reine Information über das Weltgeschehen sieht, ist mit den Meldungen der Nachrichtenagenturen bestens bedient. Diese findet man in fast allen Nachrichtenquellen und damit auch vielfach in Google News aggregiert. Wie schon früher dargelegt ist es für Inhalteproduzenten daher ein vergebliches Unterfangen, sich mit der Produktion von reinen Nachrichten von der Konkurrenz unterscheiden zu wollen – es sei denn, man hat Exklusivität. Aber diese ist in den seltensten Fällen langfristig aufrecht zu erhalten, sodass sich kein nachhaltiges Geschäftsmodell darauf aufbauen lässt.

Wenn sich mit der Produktion von reinen Nachrichten kein Vorsprung erzielen lässt, womit dann? Mit einer Konzentration auf die Tugenden der redaktionellen Arbeit: die bewusste Auswahl, Zusammenstellung, Einordnung und Kommentierung von Nachrichten. Und dazu bedarf es neben einer guten Kenntnis des Themas insbesondere eines eigenen Standpunktes, an der sich die Arbeit mit Nachrichten orientiert. Ich meine damit nicht, dass die Berichterstattung nur dazu dienen soll, die eigene Meinung zu unterstützen und alle anderen Sichtweisen auszublenden. Mir geht es um die Einnahme eines Standpunkts, die transparente Darlegung dieser Tatsache und die Kommentierung anhand einer Leitlinie. Das ist dann eine subjektiv Sicht, aber sie ist bewusst und transparent subjektiv. Wer unbedingte Objektivität fordert, sollte sich ein wenig mit Wissenschafts- und Erkenntnistheorie befassen. Dann wird schnell klar, dass es die reine neutrale Objektivität nie geben kann – jede Ausage eines Subjekts ist subjektiv. Da ist es ehrlicher, eine Subjektivität auch als solche zu kennzeichnen.

Die Einnahme es Standpunkts ist nun, was die automatische Aggregation von Inhalten nie sein kann: Eine Unterscheidung von anderen, eine Herausstellung des eigenen Tuns (aus Marketing-Sicht eine unique selling proposition (USP)). Also genau das, was Leser oder Nutzer an das eigene Angebot bindet.

Moderation.

Es ist schwer, kompetent auf allen Feldern der Berichterstattung zu sein. Das ist aber auch nicht dramatisch, solange man nicht vorgibt, genau dies zu sein. Denn auch außerhalb von Redaktionen ist viel Wissen in den Köpfen der Leser versammelt, und diese haben mit dem Web 2.0 nun auch die Möglichkeit, sich bemerkbar zu machen.

Eine gute Redaktion z.B. einer Zeitung bindet daher die Leser mit ein und moderiert die Diskussionen zu den Themen. Die Beiträge von Lesern können manchmal wichtiger und interessanter für andere Leser sein als der Ausgangsartikel selbst. Solange die Diskussionen auf den Webseiten der Zeitung stattfinden, wird dies als Erweiterung des Angebots wahrgenommen und wertgeschätzt. Und wenn sich Leser erst einmal in einem Diskussionsforum eine Reputation aufgebaut haben, wollen sie diese so schnell nicht wieder aufgeben. Eine nachhaltige Leserbindung ist die Folge.

Fazit

Übrigens werden die Kriterien Kompetenz, Meinung und Moderation bereits von einer Gruppe von elektronischen Publikationen erfüllt: von den erfolgreichen Blogs. Schon bei einer kurzen Analyse sieht man, dass die Blogs sich meistens auf ein Thema beschränken, sich die Blogger dort sehr gut auskennen, ihre Meinung deutlich kundtun und die Diskussionen nach den Artikeln teilweise auf sehr hohem Niveau geführt und moderiert werden. Der Dreiklang Kompetenz, Meinung und Moderation funktionert also, jetzt muss noch das richtige Geschäftsmodell gefunden werden. Und dafür gibt es ja viele Vordenker…

Geschäftsmodelle weiter gedacht – auf die Inhalte kommt’s an.

Die Diskussionen über die Bezahlung von (nicht nur) journalistischen Inhalten drehen sich zurzeit viel um die möglichen Geschäftsmodelle, mit denen sich Inhalte verkaufen lassen – so jetzt z.B. Matthias Schwenk auf Carta als Reaktion auf Bodo Hombachs Kritik am Internet Manifest. Mir greift das zu kurz – denn das schönste Geschäftmodell funktioniert nicht, wenn die Inhalte dahinter nicht verkäuflich sind. Dirk Beckmann hat sich im ONEtoBLOG diesem Thema bereits angenommen und u.a. die lokale Kernkompetenz der Zeitungen herausgestellt. Dem stimme ich zu. Was zählt noch?

Für welche Inhalte man im Web Geld verlangen kann.

Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, welche Kriterien Inhalte erfüllen müssen, damit sie verkäuflich sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass potenzielle Nutzer sehr kreativ (und ausdauernd) sind, um an kostenpflichtige Inhalte auch ohne Bezahlung heranzukommen. Die Suchmaschinen und eine gepflegte Bookmark-Liste sind dabei hilfreiche Verbündete. Was also müssen Inhalte haben, um Leser bezahlen zu lassen?

Exklusivität

Das ist erst einmal nicht überraschend. Wer als einziger bestimmte Inhalte hat und eine Zahlungsbereitschaft dafür vorhanden ist, der kann mit Ihnen Geld verdienen. Exklusivität kann auf verschiedene Weisen ausgeprägt sein:

  • Inhaltlich: Diesen Inhalt gibt’s nur hier und nirgendwo anders. Das kann sich allerdings aufgrund der Copy-and-Paste-Mentalität der Internetgemeinde schnell ändern.
  • Zeitlich: Wer als erster die Meldung lesen will und damit eventuell Geld verdient, der ist auch bereit, für diesen Informationsvorsprung zu zahlen. Bei den Wirtschaftsdiensten an der Börse geht es genau darum, im Internet kann man aber die Meldungen der Nachrichtenagenturen häufig mit nur wenig Verzögerung auf Twitter lesen (meistens von anderen Redaktionen vermeldet). So wird es schwierig, Geschwindigkeit in Umsatz umzumünzen.
  • Räumlich: Wer als einziger seinen Korrespondenten im Krisengebiet hat, kann für dessen Informationen Geld verlangen.

Verlässlichkeit

Einigen Zielgruppen sind Verlässlichkeit und Belastbarkeit von Informationen wichtiger als Schnelligkeit oder bunte Bilder. Rechtsanwälte müssen sich auf Argumentationen oder Zitierungen verlassen können, wenn sie vor Gericht damit arbeiten. Für den Erfolg sind sie dann auch bereit, etwas in Inhalte zu investieren.

Qualität

Ja, auch die Qualität von Inhalten wird bezahlt. Allerdings entscheiden die Leser – und nicht die Verleger – welche Inhalte qualitativ soviel besser sind als andere, frei verfügbare, sodass die Leser dafür bezahlen. Im Zweifel sind das erheblich weniger, als manche denken (oder sich wünschen). Artikel in Süddeutsche und FAZ mögen eine höhere Qualität haben als die Zeilen im Lokalblättchen zum gleichen Thema – aber sind sie soviel besser als das, was es kostenfrei auf heute.de oder tagesschau.de gibt? Soviel besser, dass man dafür bezahlt? Ich bezweifle das. Bei Fachinformationen sieht das aber anders aus. Der seit Jahrzehnten aufgebaute und bewährte Kommentar zu einem Fachgebiet wird sich in der Regel besser verkaufen als der Neueinsteiger. Darauf lässt sich aufbauen.

Übersicht

Die Informationsüberflutung nimmt mit jedem neuen Social Media-Dienst zu. Angebote, die vorhandene Inhalte aufbereiten, (ein)ordnen und kommentieren, schaffen echten Mehrwert und den kann man sich bezahlen lassen. Für die Nachrichten aus aller Welt übernehmen Zeitungen und TV-Sender diese Übersichtsfunktion. Davon gibt es aber zu viele kostenfrei, um ein Bezahlmodell damit aufzubauen. In Nischen wie der Fachinformation kann das allerdings sehr wohl klappen. Insbesondere, wenn Nutzer durch die Leistung Zeit und Geld sparen oder einen Wettbewerbsvorteil vor weniger informierten Konkurrenten haben.

Jeder, der ein Geschäftsmodell für seine Inhalte sucht, sollte diese erst einmal auf die Erfüllung dieser Kriterien abklopfen. Werden diese nicht erfüllt, hilft das intelligenteste Geschäftsmodell nichts. Ohne Nutzen keine Nutzer.

Warum für Online-Journalismus auch in Zukunft nicht gezahlt werden wird.

Das Thema “Gratis-Kultur” im Netz im Zusammenhang mit Journalismus wird ja schon lange diskutiert, in letzter Zeit wieder verstärkt durch den Vorstoß von Rupert Murdoch (siehe z.B. im SPIEGEL (pdf)), den Überlegungen von Springer-Chef Döpfner zu kostenpflichtigen mobilen Inhalten (im FAZ-Interview) und den folgenden Kommentaren in den Blogs (z.B. Indiskretion Ehrensache oder Lobo vs. Disselhoff).

Ich befürchte aber, trotz aller Diskussionen wird das nichts mehr mit bezahlten Nachrichten im Netz. Zumindest nicht mit journalistischer Brot-und-Butter-Kost. Denn dafür gibt es ein paar sehr fumdamentale Gründe:

Das Web konvergiert zu TV, nicht zu Print

Während in den ersten Jahren des Internets hauptsächlich Texte aus Print-Produkten im Web zu finden waren, konvergiert mit zunehmender Bandbreite und Rechenleistung das inhaltliche Angebot mit Audio, Animationen und Videos immer mehr zum Fernsehen. Hinzu kommt, dass sich die Technik der Inhaltedistribution von Internet und TV mit Hochgeschwindigkeits-DSL und Video-Streaming angleicht. Das Internet wird immer mehr zum Fernsehen und das Fernsehen baut Elemente des Internets in sein Programm ein. Das Fernsehen wird deshalb seine Bedeutung weiter halten können und nicht in dem Maße Reichweite abgeben müssen, wie das zurzeit Print erleben muss.

Das bedeutet aber auch, dass die Refinanzierung des Online-Journalismus (wenn es diese Trennung in Zukunft überhaupt noch gibt) bei den TV-Sendern weiterhin aus den Werbeeinnahmen ihrer TV-Kanäle erfolgen kann (oder im deutschen Sonderfall sogar gebührenfinanziert ist). Für die Internet-Nutzer bleiben diese Inhalte daher weiterhin kostenfrei.

Kostenfreie Nachrichten werden als Lockmittel eingesetzt.

Schaut man sich heutzutage die Portalseiten der Online-Zugangsanbieter wie T-Online, web.de oder Freenet an, so findet man dort ebenfalls die neuesten Nachrichten, kostenfrei. Hier werden diese als Werbemittel eingesetzt, um die Nutzer zum Abschluss der entsprechenden DSL- oder anderen Verträge zu gewinnen. Journalistische Inhalte als Lockmittel sozusagen. Dem Nutzer kann es egal sein – er bekommt seine Nachrichten kostenfrei.

Die First Mover können von der Werbefinanzierung leben.

Auch und gerade im Internet verstärken sich First Mover Advantage und Netzwerkeffekt – hier mahlen die, die zuerst kommen, wirklich zuerst. Angebote wie Spiegel Online, die sehr früh mit dem Online-Journalismus begonnen haben und in den ersten Jahren viel in den Aufbau ihrer Präsenzen investiert haben, stehen jetzt sehr gut da. Sie können dank ihrer großen Reichweite mit reiner Werbefinanzierung profitabel arbeiten und würden nur ihr Geschäftsmodell zerstören, würden sie Teile ihrer Inhalte hinter einer Bezahl-Wand verstecken.

Das Fazit: Keine Chance für bezahlte Nachrichten

Das Resumee liest sich für die Murdochs und Döpfners ernüchternd: Das journalistische Brot-und-Butter Geschäft wird auch in Zukunft kostenfrei im Web verfügbar sein. Versuche, einzelne Angebote nur gegen Bezahlung freizugeben, wird die Leser zur freien Konkurrenz treiben. Im Web ist diese bekanntermaßen nur einen Mausklick entfernt. Ich bin gespannt, wann sich diese Erkenntnis bei den Entscheidungs- trägern der Print-Häuser durchsetzt und wie viele gescheiterte Bezahl-Versuche wir noch erleben dürfen.