Das iPad, Googles Tablet und die Folgen für Verlage

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich ja zum Schluss gesagt, ich sei gespannt, was der nächste Schritt von Google als Reaktion auf die Vorstellung von Apples iPad ist. Nun gibt es die ersten Konzepte eines Tablet-PCs auf der Basis von Chrome, dem Google-Betriebssystem.

Google Tablet

Das Bedienkonzept wurde im Chromium-Blog veröffentlicht und zeigt, wie sich die Entwickler den Umgang mit einer Chrome-Tablet-Oberfläche vorstellen. Weitere Informationen zum Google-Tablet Entwurf hat auch das Basic Thinking Blog zusammengetragen.

Neben den technischen Aspekten der kommenden Geräte von Apple, Google & Co. sind die Folgen für den Markt der digitalen Inhalte extrem spannend. Die Pläne von Google zum Tablet sind ein weiterer Beleg, in welche Richtung sich die Nutzung des Webs und insbesondere der Umgang mit Inhalten entwickeln wird: Die neuen Endgeräte sind

  • mobil,
  • handlich,
  • einfach zu bedienen und
  • immer mit dem Web verbunden.

Genau deshalb werden sie ein Erfolg insbesondere bei der Zielgruppe, welcher derzeit noch die Technik zu umständlich ist. Die iPads und Tablets haben zum ersten Mal das Potenzial, die gedruckte Zeitung oder das Buch am Frühstückstisch oder auf dem Sofa abzulösen. Und zwar nicht nur aufgrund ihres tollen Designs, sondern weil man mit ihnen nicht nur Texte lesen kann, sondern nun wirklich die multimediale Zeitung in der Hand hält und mitnehmen kann – und nicht nur auf dem Bildschirm vor sich sieht. Ich prophezeie, dass alle Leser, die dieses Erlebnis einmal genossen haben, nicht mehr zur gedruckten Lektüre zurückkehren wollen. Das wird vielleicht nicht mit den ersten Versionen der Tablets passieren, früher oder später aber auf jeden Fall.

Die Folgen für die Verlage

Extrem spannend wird es jetzt für die Verlage, welche ihr Hauptgeschäft noch mit Print machen und für Online kein funktionierendes Geschäftsmodell haben – also für so ziemlich alle. Wenn sich die iPads durchsetzen, dann reicht vielen Lesern sicherlich statt der gedruckten Frühstückslektüre der Blick morgens auf werbefinanzierte Nachrichtenseiten wie Spiegel Online und das Print-Abo wird gekündigt.

Jetzt gilt es, so schnell wie möglich ein Geschäftsmodell zu finden, welches auf mindestens zwei Beinen steht:

  • Zum einen als App für die Apple-Welt aus iPad, iPhone, iTunes und iBook. Hier ist die Refinanzierung einfach: Sie erfolgt über Apples paid content Konzept.
  • Zum anderen als Webangebot, welches sich über Werbung oder als eigenes Abo-Angebot finanzert.

Beide Plattformen müssen parallel bedient werden, um auf ausreichend Leser zu kommen. Neben der technischen Herausforderung muss eine Lösung gefunden werden, die Angebote für zahlende Abonnenten ausreichend von den freien, werbefinanzierten Seiten abzuheben und zu differenzieren. Aber genau das ist ja jetzt schon das Problem, zumal die Konkurrenz für die Verlage zunimmt. Jetzt sind also kreative Lösungen unter noch mehr Zeitdruck gefragt.

Das Web vereint das Beste aus Print und TV

Erfolgreiche Angebote werden in Zukunft noch mehr als jetzt aus der Kombination von Texten, Videos, Kommentaren und interaktiven Elementen bestehen. Um das zu realisieren, muss man kein Verlag sein. Beste Ausgangspositionen haben TV-Sender, welche die Inhalte sowieso vorhalten und mit Nachrichtenseiten auch ihr Programm promoten. Die Seite von RTL geht schon in diese Richtung.

Googles Chief Economist Hal Varian hat noch auf einen anderen Aspekt hingewiesen:

“The verticals that drive traffic are things like sports, weather and current news, but the money is in things like travel and shopping. Pure news is the unique product that newspapers provide, but it is very hard to monetize.”

Das bedeutet, dass die Verlage sich von reinen Nachrichten-Dienstleistern zu Vermittlern von umsatzstarken Leistungen anderer Branchen entwickeln müssen. Das dürfte ziemlich am journalistischen Selbstverständnis kratzen – zu Recht. Es gilt daher, einen neuen Weg zu finden, der journalistische Unabhängigkeit und Qualität mit der Vermarktung inhaltlich verbundener Dienstleistungen verbindet. Nur das dürfte langfristig das Überleben der Verlage sichern.