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Twitter schwächelt? Oder: Detailwissen schadet nur. PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 27. November 2009 um 22:29 Uhr

In den letzten Tagen wurde von u.a. von Spiegel Online und Meedia von einer Nielsen-Studie berichtet, in der Twitter ein Besucherrückgang im September von 27,8% nachgesagt wurde. Gemessen wurden 18,9 Millionen unique visitors auf twitter.com im Vergleich zu 26,2 Millionen im Vormonat (siehe eMarketer). Auch wenn man sich die Alexa-Zahlen anschaut, kann man auf die Idee kommen, dass Twitter schwächelt:

Alexa-Auswertung von Twitter.com


Während in den oben genannten Artikeln zwar im weiteren Verlauf darauf hingewiesen wurde, dass sinkente Nutzerzahlen (wobei es eigentlich um Besucher geht) eventuell auf die stark steigende Nutzung von Client-Software wie z.B. Tweetdeck oder Seesmic zurückzuführen sind, reichte es doch für zugkräftige Überschriften, welche den Ton setzten. Andere griffen das Thema gerne auf, waren aber weniger detailliert und somit unkritisch kritisch (z.B. "Ist Twitter out?" auf wiwo.de). Glücklicherweise gibt mit Stefan Niggemeier und seinem Bildblog auch Stimmen, welche die Meldungen einordnen können.

Dabei ist es gar nicht so schwer, sich eine eigene Meinung zu verschaffen. So ist die Statistik von TweetStats mit zwei Klicks erreichbar. Sie sagt aus, dass nur 31,2% der Tweets über das Web abgesetzt werden. Der überwiegende Teil aus anderen Programmen - mobil oder vom PC - geschrieben. Die Auswertungen von Thomas Pfeiffer bestätigen dies.

Das heißt, dass die wenigsten aktiven Twitterer auf die Webseite zugreifen, um zu twittern (ich gehe mal davon aus, dass Nur-Leser keine Applikation installieren, um auf Twitter zuzugreifen). Somit sollte sich ein Rückgang der Besucher auf twitter.com dementsprechend wenig auf die Anzahl der abgesetzten Tweets auswirken. Da bei Twitter jeder Tweet mit einer eindeutigen Nummer veröffentlicht wird, kann man leicht das Wachstum der Tweets nachweisen. Und das sieht dann so aus:

Auswertung der Twitter-Tweets 2008-2009

Wie leicht zu erkennen ist, lässt sich ein Rückgang der Tweets nicht nachweisen. Twitter wächst - gemessen an den Tweets - insbesondere seit Mitte diesen Jahres enorm. Da mit der Popularisierung des Dienstes durch die Neunutzer die durchschnittliche Anzahl der Tweets pro Nutzer eher abnehmen als zunehmen dürfte, kann ich auch keinen dramatischen Rückgang der Nutzer herleiten.

Kurzum: Berichte über einen Twitter-Niedergang sind zwar Auflagen- oder Zugriffs-fördernd, lassen sich mit ein wenig Kenntnis des Systems einfach wiederlegen.

Update 03.12.2009: Der letzte Wert für den 01.12.2009 in der Wachtstums-Grafik ist jetzt nicht mehr geschätzt, sondern mit einer realen Zahl hinterlegt. Das ändert aber nichts an der Aussage. Web-Evangelist Thomas Pfeiffer kommt in seiner November-Auswertung übrigens zu einem Rückgang von 5% bei den aktiv deutschsprachigen Accounts. Das schlägt sich - bei der US-lastigkeit von Twitter - naturgemäß nicht auf die Gesamtzahl der Tweets nieder und dürfte sich mit lokalen Besonderheiten erklären lassen.

Kommentare (6)
  • Thomas Pfeiffer  - Kommentar
    Hallo,

    ich denke, ähnlich wie der Medienhype um Twitter im vergangenen Sommer wenig mit der tatsächlichen Verbreitung von Twitter in Deutschland zu tun hatte, genauso wenig haben jetzt die Berichte von einem Niedergang von Twitter mit der Realität zu tun.

    Tatsache ist: niemand weiss, wie sich Twitter weiterentwickeln wird. Von "Niedergang" kann man auch nur sprechen, wenn man vorher stetes Wachstum als Ziel hatte. Das mag für Venture Capitalists das Ziel gewesen sein, für die Twittergemeinde muss das aber nicht gelten.
  • Volker Meise  - Ein bisschen Wachstum muss schon sein
    Ich stimme dir zu, das Medienecho hat mittlerweile nur noch selten etwas mit der Realität zu tun - im Hype wie in der Krise.

    Ich sehe bei Twitter das Potenzial, sich zu einem Standard-Kommunikationsmedium wie E-Mail zu entwickeln. Dafür muss Twitter aber noch etwas wachsen, um nicht nur bei den Spezialisten alltägliche Verwendung zu finden. Und nur bei der Nutzung durch die breite Masse ist gesichert, dass der Dienst etabliert ist und bleibt. Anderenfalls kann er wieder in der Versenkung verschwinden. Daher ist IMHO Wachstum schon wichtig,
  • muensterana  - Die Masse macht's ... ?
    Bester Meister Meise, danke für statistische Erhellung. Indes; die Anzahl der Tweets (selbst Coffee tweets, RSS tweets und Spam mal nicht berücksichtigt), sagt doch gar nix über die nachhaltige Beliebtheit geschweige denn über die "Zukunftsfähigkeit" des Kommunikationsmediums Twitter aus. Wie war das eigentlich mit der retention rate - und gibt es hier neuere Erkenntnisse?
  • Volker Meise  - Nachhaltige Beliebtheit
    Solange auf Twitter nicht wie bei der E-Mail mehr Spam als gewünschte Nachrichten versandt werden, halte ich die Tweet-Entwicklung für einen ganz guten Indikator für die Beliebtheit. Solange immer mehr Tweets abgesetzt werden, wächst die Zahl der aktiven Nutzer. Wie nachhaltig das ist, kann man natürlich nur schwer abschätzen. Vielleicht (bzw. sogar wahrscheinlich) geht das Wachstum irgendwann zurück. Wenn dann eine Phase der Konsolidierung und kein Absturz eintritt, kann Twitter zu einem normalen Gebrauchsmedium werden.

    Das hängt IMHO davon ab, ob Twitter sich weiter auf seinen Kernnutzen konzentriert und wie die Konkurrenz (insb. Facebook) agiert.

    Beim Begriff Retention Rate in Zusammenhang mit Twitter kann ich gerade nichts anfangen. Was genau meinst du damit?
  • muensterana  - twitter retention rate
    lt. einer Nielsen-Studie liegt die "Wiederkehrquote" der Erstnutzer bei 40 %. Demnach schauen 60% nur mal rein und kommen nicht wieder. Laufkundschaft also ....

    Klar, dass auch diese Studienergebnisse umstritten sind.
  • Volker Meise  - Retention Rate
    Wenn man mal bei Twitter unter "Find People" sucht und sich die Ergebnisse anguckt, dann bestätigt der Augenschein die 40/60-Theorie. Zuerst kommen viele aktive Twitterer, dann der long tail mit nur wenigen Tweets.

    Neue Studienergebniss habe ich aber nicht, falls ich welche finde, werde ich das an dieser Stelle veröffentlichen.
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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 03. Dezember 2009 um 15:01 Uhr
 

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