Jack Wolfskin: Die Twitter-Welle ebbt ab.

Über die Abmahnungen von Jack Wolfskin und deren Folgen ist ja schon viel geschrieben worden, auch von mir. Mittlerweile hat sich der Chef und Miteigentümer Manfred Hell bei Ralf Schwartz von werbeblogger.de gemeldet und versprochen, den Abmahnprozess und seine Verhältnismäßigkeit zu prüfen. Das will er tun, wenn er am kommenden Montag wieder im Büro ist. Angesichts der Welle, die gerade seine Firma überrollt, halte ich persönlich das für etwas spät, aber eine ruhige Hand bei geschäftlichen Entscheidungen hat ja manchmal etwas Positives.

Denn die Welle der Empörung, die sich auch über Twitter verbreitete, ebbt langsam ab.

Wenn man ein Thema sehr intensiv verfolgt, passiert es ja durchaus, dass man seine Gesamtwirkung weit überschätzt. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, die Verteilung der Tweets zum Thema Wolfskin über die letzten Tage hinweg zu analysieren. Ergebnis: Die Welle der Tweets hatte am Montag und Dienstag ihren Höhepunkt und scheint nun langsam auszulaufen. Während online also die Stimmung sich wieder etwas beruhigt (wenn auch noch nicht ruhig ist), greifen jetzt die Print-Medien das Thema auf. Das Handelsblatt machte den Anfang, und nun hat sogar die dpa dazu geschrieben (zu lesen z.B. bei der Zeit Online).

Wenn es dazu noch bedurft hätte: Das ist ein schöner (weiterer) Beleg dafür, wie durch die sozialen Netzwerke Trends und Themen in kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit erreichen, dass diese in der “realen Welt” gro0e Auswirkungen – in diesem Fall negative – nach sich ziehen. Unternehmen (und vielleicht auch Rechtsanwaltskanzleien) sei daher empfohlen, sich rechtzeitig mit dem Thema Social Media vertraut zu machen. Bevor sie es im Crash-Kurs tun müssen…

(Update 23.10.2009: Anzahl der Tweets am 22.10. eingefügt. Es waren nur noch 228, was die These des Abflauens der Twitter-Welle belegt. Das heißt allerdings nicht, dass jetzt alles vorbei ist: Zum Einen gibt es mehr Twitter-Leser als Schreiber, was die Verbreitung des Themas erhöht (siehe dazu den Netzökonom), zum Anderen vergisst das Web nicht: Die vorhandenen Blogeinträge und Artikel werden von nun an immer bei der Suche nach Jack Wolfskin auftauchen. Es wird eine Weile dauern (und viel Geld kosten), bis der Imageschaden wieder repariert ist.)

(Zweites Update 23.10.2009: Jack Wolfskin hat nun eine Pressemitteilung (pdf) gerausgegeben, in der die Abmahnungen zurückgenommen werden. Mein erster Gedanke: Das hätte man auch schneller machen können und sich viel zerschlagenes Porzellan erspart. Der zweite: Oh, die Reaktionen darauf sind enttäuscht bis verärgert – siehe den Werbeblogger. Das Thema wird wohl noch etwas gären und bei der Zielgruppe einen schalen Nachgeschmack hinterlassen. Die nächsten JW-Werbekampagnen sollten gut überlegt sein, um nicht hämische Kommentare auf sich zu ziehen…)