Karl Theodor zu Guttenberg ist heute als EU-Berater in Fragen der Internetfreiheit in autoritären Regimen von der Kommissarin Neelie Kroes in Brüssel vorgestellt worden. Wie nicht anders zu erwarten, fand die Netzgemeinde das nicht so lustig - oder irgendwie doch. Zumindest tropfte der Sarkasmus aus den meisten Tweets.
[Update] Ein Blick aufs Monitoring-Tool (Sysomos Heartbeat) zeigt die Aufruhr in der Netzgemeinde. Nachdem gestern tagsüber bereits einiges los war, explodierte abends und heute morgen die Trefferanzahl:
Insgesamt waren es fast 5.000 Artikel bzw. Tweets über das Thema. Nach einer schnellen Durchsicht kann ich sagen, dass es entweder neutrale Meldungen (meist von Newsangeboten) oder fassungslose bis satirische Tweets gab. Hier eine subjektive Auswahl der schönsten Ideen:
Bei manchen war das Humorpotenzial aber auch aufgebraucht. Verständlicherweise.
Fazit: Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, KTG als Internetberater zu installieren - er hat der EU keinen Gefallen getan. Manchmal sollte man eben wirklich Leute fragen, die sich mit den Thema auskennen.
Steve Jobs ist gestern Nacht gestorben. Die Nachrufe sind mannigfaltig und drehen sich oft um seine Lebensleistung und sein Charisma - berechtigt. Ich mag Macs, iPhone, iPad & Co, bin aber kein fanatischer Apple Fanboy und habe auch keinen Zoo aus Apple-Produkten. Dennoch fasziniert mich die Art, wie Steve Jobs Apple geführt und geprägt hat. Diese fünf Dinge habe ich persönlich für mich abgespeichert:
Habe eine Vision. Helmut Schmidts Bonmot "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen" mag auf den ersten Blick lustig sein, führt aber zu Kurzsichtigkeit bei Entscheidungen. Steve Jobs hatte seine Vision von der Art, wie Computer das Leben der Menschen erleichtern sollen, und er hat konsequent darauf hingearbeitet.
Denke ganzheitlich. Dass bei Apple Hardware, Software und Service nahtlos zusammen passen, ist eine Binsenweisheit. Mich beeindruckt immens, wie aber auch das Unternehmen intern als Ganzes gesehen wird: So ist der iPad Bildschirm zusammen mit Partnern entwickelt worden, die Apple dabei auch finanziell unterstützt hat. Dafür bekommt Apple die Technologie für einen Zeitraum exklusiv und günstiger, was die Konkurrenz außen vor hält. Bis diese nachziehen kann, hat Apple schon Stückzahlen erreicht, welche durch die Skaleneffekte Apple einen Vorteil bei den Produktionskosten und damit der Marge verschaffen. Genial.
Sei detailversesssen. Steve Jobs hat sich selbst auch um Kleinigkeiten beim Design der Produkte gekümmert und sie solange verbessern lassen, bis sie aus seiner Sicht wirklich perfekt waren.
Denke immer vom Nutzer aus. Es geht nicht darum, irgendein Anwendungsszenario für vorhandene Technik zu finden, sondern aus der Sicht des Nutzers Funktionen zu entwerfen, die er genau so braucht. Nur dann setzt sich ein Produkt wirklich durch.
Entscheide. Auch wenn du dabei Fehler machen wirst. Auf dem Weg zur Umsetzung der Vision sind viele Entscheidungen zu treffen, und nicht bei allen ist es klar, ob sie richtig sein werden. Doch wenn man nichts entscheidet, findet man das nicht heraus. Und kommt nicht voran.
Schon 1997 hat Steve Jobs nach diesen Grundsätzen gehandelt - zu einer Zeit, wo es undenkbar war, dass Apple einmal das wertvollste Unternehmen der Welt werden sollte. Hier seine Reaktion auf eine sehr direkte (und fast schon beleidigende) Frage auf der WWDC 1997:
Es herrscht ja allgemein etwas Enttäuschung über das Ausbleiben des iPhone 5 gestern. Mashable hat eine aus meiner Sicht stichhaltige Begründung geliefert, warum erst das 4S kommt und später ein 5:
Die Zwei-Jahres-Verträge der 3GS-Inhaber laufen jetzt aus und das 4S ist das passende Telefon für die Anschlussverträge. Damit die nicht zur Konkurrenz wechseln, wird den Apple-Kunden das nächste iPhone präsentiert. Nächstes Jahr passiert dann das gleiche mit dem 4er-Modell. Dann wird das iPhone 5 vorgestellt.
Schlau. Und das zeigt etwas, das manchmal vergessen wird: Apple ist nicht dazu da, seine Fans bei jeder Präsentation in Verzücken zu versetzen (was auch aufgrund der Erwartungshaltung immer schwieriger wird), sondern um Geld zu verdienen. Und mit solchen genau getimten Aktionen machen sie es (andere schaffen das übrigens bei weitem nicht so gut).
Das zeigt einmal mehr, dass Steve Jobs Apple ganzheitlich sieht und sein Management auch. Die Guru-Auftritte auf den Keynotes haben das etwas überdeckt, was Apple sicher nicht unangenehm war. Mit Tim Cook zieht jetzt etwas Nüchternheit ein. Mal sehen, wie das die Sicht der Apple-Fans auf das Unternehmen verändert.
Hier schreibe ich über Themen aus dem Bereich digitale Strategie und/oder Social Media, wenn mir das interessant erscheint. Kürzere Hinweise gibt es auf meinem Posterous-Blog.
Meine Meinung äußere ich auch auf Vorträgen zu unterschiedlichen Themen.