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Geschäftsmodelle weiter gedacht - auf die Inhalte kommt's an.

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Freitag, den 09. Oktober 2009 um 14:58 Uhr

Die Diskussionen über die Bezahlung von (nicht nur) journalistischen Inhalten drehen sich zurzeit viel um die möglichen Geschäftsmodelle, mit denen sich Inhalte verkaufen lassen - so jetzt z.B. Matthias Schwenk auf Carta als Reaktion auf Bodo Hombachs Kritik am Internet Manifest. Mir greift das zu kurz - denn das schönste Geschäftmodell funktioniert nicht, wenn die Inhalte dahinter nicht verkäuflich sind. Dirk Beckmann hat sich im ONEtoBLOG diesem Thema bereits angenommen und u.a. die lokale Kernkompetenz der Zeitungen herausgestellt. Dem stimme ich zu. Was zählt noch?

Für welche Inhalte man im Web Geld verlangen kann.

Aus meiner Sicht ist die entscheidende Frage, welche Kriterien Inhalte erfüllen müssen, damit sie verkäuflich sind. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass potenzielle Nutzer sehr kreativ (und ausdauernd) sind, um an kostenpflichtige Inhalte auch ohne Bezahlung heranzukommen. Die Suchmaschinen und eine gepflegte Bookmark-Liste sind dabei hilfreiche Verbündete. Was also müssen Inhalte haben, um Leser bezahlen zu lassen?

Exklusivität

Das ist erst einmal nicht überraschend. Wer als einziger bestimmte Inhalte hat und eine Zahlungsbereitschaft dafür vorhanden ist, der kann mit Ihnen Geld verdienen. Exklusivität kann auf verschiedene Weisen ausgeprägt sein:

  • Inhaltlich: Diesen Inhalt gibt's nur hier und nirgendwo anders. Das kann sich allerdings aufgrund der Copy-and-Paste-Mentalität der Internetgemeinde schnell ändern.
  • Zeitlich: Wer als erster die Meldung lesen will und damit eventuell Geld verdient, der ist auch bereit, für diesen Informationsvorsprung zu zahlen. Bei den Wirtschaftsdiensten an der Börse geht es genau darum, im Internet kann man aber die Meldungen der Nachrichtenagenturen häufig mit nur wenig Verzögerung auf Twitter lesen (meistens von anderen Redaktionen vermeldet). So wird es schwierig, Geschwindigkeit in Umsatz umzumünzen.
  • Räumlich: Wer als einziger seinen Korrespondenten im Krisengebiet hat, kann für dessen Informationen Geld verlangen.

Verlässlichkeit

Einigen Zielgruppen sind Verlässlichkeit und Belastbarkeit von Informationen wichtiger als Schnelligkeit oder bunte Bilder. Rechtsanwälte müssen sich auf Argumentationen oder Zitierungen verlassen können, wenn sie vor Gericht damit arbeiten. Für den Erfolg sind sie dann auch bereit, etwas in Inhalte zu investieren.

Qualität

Ja, auch die Qualität von Inhalten wird bezahlt. Allerdings entscheiden die Leser - und nicht die Verleger - welche Inhalte qualitativ soviel besser sind als andere, frei verfügbare, sodass die Leser dafür bezahlen. Im Zweifel sind das erheblich weniger, als manche denken (oder sich wünschen). Artikel in Süddeutsche und FAZ mögen eine höhere Qualität haben als die Zeilen im Lokalblättchen zum gleichen Thema - aber sind sie soviel besser als das, was es kostenfrei auf heute.de oder tagesschau.de gibt? Soviel besser, dass man dafür bezahlt? Ich bezweifle das. Bei Fachinformationen sieht das aber anders aus. Der seit Jahrzehnten aufgebaute und bewährte Kommentar zu einem Fachgebiet wird sich in der Regel besser verkaufen als der Neueinsteiger. Darauf lässt sich aufbauen.

Übersicht

Die Informationsüberflutung nimmt mit jedem neuen Social Media-Dienst zu. Angebote, die vorhandene Inhalte aufbereiten, (ein)ordnen und kommentieren, schaffen echten Mehrwert und den kann man sich bezahlen lassen. Für die Nachrichten aus aller Welt übernehmen Zeitungen und TV-Sender diese Übersichtsfunktion. Davon gibt es aber zu viele kostenfrei, um ein Bezahlmodell damit aufzubauen. In Nischen wie der Fachinformation kann das allerdings sehr wohl klappen. Insbesondere, wenn Nutzer durch die Leistung Zeit und Geld sparen oder einen Wettbewerbsvorteil vor weniger informierten Konkurrenten haben.

Jeder, der ein Geschäftsmodell für seine Inhalte sucht, sollte diese erst einmal auf die Erfüllung dieser Kriterien abklopfen. Werden diese nicht erfüllt, hilft das intelligenteste Geschäftsmodell nichts. Ohne Nutzen keine Nutzer.

Kommentare (2)
  • Dirk Beckmann  - Convenience
    Ich stimme voll und ganz zu: die Inhalte waren und bleiben der Kern eines Geschäftsmodells. Es ist alles gar nicht so neu, denn so war es schon früher - nur das das Web heute die Schwachstellen der Geschäftsmodelle durch seine Transparenz und Schnelligkeit deutlich macht - quasi den Finger in die Wunde legt.
    Was mir in der Liste noch fehlt ist die "Convenience", also der Apple Effekt. Das ein Geschäftsmodell funktioniert, das Dinge einfacher macht, hat iTunes & Co gezeigt. Musik galt als unverkäuflich über das Netz, heute sieht es anders aus. Kunden Inhalte in einer Form an zu bieten, die einfach ist und den Nutzerkontext berücksichtig bietet ein enormes Potential. Daher glaube ich, dass Verlage, die für ihre Nutzern eine gute "User Experience" in den Mittelpunkt stellen, allein dadurch Geld verdienen können.
    Ich wäre froh über mehr Bezahlangebote, die mir einen oder alle der o.g. Punkte bieten.
  • Volker Meise  - absolut richtig
    Ja, Convenience ist definitiv ein bedeutender Faktor. MP3-Player gab's auch vor Apple schon, aber ein Hype wurden sie erst durch die Kombination iPods/iTunes. Und nun macht Apple das Gleiche mit iPhone/AppStore. Genial einfach, einfach genial.

    Convenience kommt also mit auf die Liste...
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Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 13. Januar 2011 um 15:45 Uhr
 


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