Twitter kauft Posterous – um sich Google+ anzunähern?

Gestern gab Twitter bekannt, dass sie die Posterous geklauft haben (hier der Blogeintrag). Posterous zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr einfach ein Blog aufsetzen und dies per E-Mail befüllen kann (Sascha Lobo hat das einmal als „Bloggen mit Stützrädern“ bezeichnet). Nun fragen sich viele, warum Twitter diesen Schritt vollzogen hat: So z.B. Nico Lumma (http://lumma.de/2012/03/12/twitter-kauft-posterous-auf-suche-nach-geschaeftsmodell/) oder Caschy (http://stadt-bremerhaven.de/twitter-kauft-posterous/). Die meisten Kommentatoren wundern sich über diesen Schritt und fragen sich, was er über Twitters zukünftige Strategie aussagt. Für mich sind es zwei Hauptaspekte:

  • Twitter braucht dringend fähige Entwickler. Mit dem Posterous-Team bekommt Twitter ein Team, welches sich genau in der Branche hervorragend auskennt und sofort einsatzfähig ist. Sehr wertvoll.
  • Twitter orientiert sich an Google+. Twitter hat gesehen, dass das Konzept von Google+, kurze Beiträge mit einer einfachen Kommentarfunktion zu verbinden, genau in die Lücke zwischen Twitter und Blogs trifft und genau deswegen auch so erfolgreich ist. Ich vermute stark, dass Twitter Posterous integrieren wird und so sich an das Google+-Konzept annähern wird. Bei G+ findet man häufiger den Wunsch, G+-Beiträge inklusive Diskussionen als eigenes Blog zu spiegeln. Genau das könnte eine Kombination aus Twitter und Posterous schaffen.

Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das neue Tamdem entwickeln wird.

Zum Thema hier noch die Wortwolke aus den deutschsprachigen Treffern von heute morgen (Quelle: Sysomos MAP):

Wortwolke zu Twitter und Posterous

Die Filter-Bubble: Wir können die Blase nicht platzen lassen, aber ihre Form ändern

Werden wir im Netz durch Algorithmen gesteuert? Der amerikanische Politwissenschaftler Eli Pariser hat es griffig als „Blase“ bezeichnet: Wer im Netzt unterwegs ist, lebt sehr wahrscheinlich in einer „Filter-Bubble“. Die großen Anlaufstellen im Netz wie Google und Facebook verwenden Filter, um die Informationsströme einigermaßen handhabbar zu machen und uns die nach ihrer Ansicht relevanten Informationen zu präsentieren (sehr schön dargelegt in neun Minuten auf dem TEDx-Talk von Eli Pariser 2011). Die Filter schließen von unserem Nutzungsverhalten in der Vergangenheit auf unsere aktuellen Bedürfnisse und schneidern die Suchergebnisse oder den Stream so zu, dass wir nur noch Ergebnisse erhalten, die zu unseren Interessen passen. Andere Nachrichten und Meinungen werden ausgeblendet, womit wir uns in einer Blase oder einem Kreislauf der Selbstbestätigung befinden.

In letzter Zeit gab es einige gute und interessante Artikel zum Thema, so von Kathrin Passig und jetzt aktuell von Christoph Kappes. Letzterer brachte mich darauf, das Thema etwas mehr zu durchdenken und ich muss sagen, wir haben hier ein grundsätzliches Problem.

Es geht nicht ohne

Die naheliegendste Forderung ist auf den ersten Blick klar: Einfach alle Filter abschalten und z.B. bei Google „ungefilterte“ Suchergebnislisten anbieten. Das klingt logisch, ist es aber bei kurzem Nachdenken nicht – denn die Filterung passiert auf mehreren Ebenen, und sie lässt sich nicht einfach weglassen. Das beginnt schon bei der Auswahl der Treffer aus der Gesamtheit der erfassten Seiten: Wenn ich nach „Auto“ suche, wo soll der Suchbegriff vorkommen? Irgendwo auf der Seite, im Text (Body), in den Überschriften oder in den Seitenspalten? Sollen Ableitungen wie „Autos“ oder Wortteile wie „Automobil“ auch gefunden werden? Alle diese Entscheidungen beeinflussen bereits meine Treffermenge.

Der nächste Filter ist der Sortieralgorithmus. Da ich mir in der Regel aus Mangel an Zeit nicht alle Ergebnisse anschauen kann (und will), beschränke ich mich auf die ersten Suchergebnisse der auf Liste (bei Google erfolgen 90% der Klicks auf der ersten Suchergebnisseite). Somit wirkt die Sortierung wie ein Filter. Aber welcher „objektive“ Filter bringt mir gute Ergebnisse? Zeitpunkt der Veröffentlichung? Länge des Textes? Mir persönlich fallen spontan keine Kriterien ein, welche für die überwiegende Anzahl meiner Suchen passend wären.

Google & Co. gehen also zu recht davon aus, dass wir Filter benötigen, um Suchergebnisse nach Relevanz zu sortieren und anzuzeigen.

Vertrauen auf eine „Filterethik“?

Nun kann man argumentieren, dass man bisher ja auch ganz gut damit gefahren sei, den Aggregatoren die Auswahl der Suchergebnisse zu überlassen. Die Ergebnisse passen meist recht gut zum gesuchten Thema, warum also etwas ändern? Das ist eine Frage des persönlichen Anspruchs.

Wer darauf Wert legt, auch nur halbwegs neutral über die Geschehnisse auf der Welt informiert zu werden, der sollte sich Gedanken machen:

  • Die Aggregatoren wie Google und Facebook sind Unternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht. Insofern haben sie ein Interesse daran, ihren zahlenden (Werbe-)Kunden ein möglichst passendes Umfeld zu bieten oder umsatzgenerierende Themen oder Seiten besonders prominent zu platzieren. Das muss nicht eine plumpe Bevorzugung der Webseiten von Zahlkunden sein – das ginge auch subtiler. Wenn bei der Suche nach „Ägypten“ Inhalte über touristische Attraktionen zuerst angezeigt werden, dann dürfte sich das über den dazugehörigen Anzeigenumsatz als lukrativer darstellen, als wenn hauptsächlich News angezeigt werden. Oder wer kann nachvollziehen, ob die Integration von AdSense-Werbung oder einer Facebook-like-Box auf einer Webseite diese nicht auch in der Suche oder im Stream nach vorne bringt, obwohl das inhaltlich keinerlei Relevanz hat?
  • Die Filter sind mittlerweile so komplex und vielstufig, dass sie kaum noch kontrollierbar sind. Ich bezweifle, dass es jemanden bei Google oder Facebook gibt, der die Wirkung der Änderung eines Filterparameters auf das Ergebnis korrekt vorhersagen kann. Kathrin Passig hat das in ihrem oben erwähnten Artikel schön beschrieben.
  • Die Filterregeln sind nicht öffentlich und werden es auch nicht. Google ist deshalb so groß geworden, weil der Page Rank Algorithmus so gute Ergebnisse hervorbrachte. Die Filter sind essenziell für den Geschäftserfolg, und deshalb sind sie aus gutem Grund Geschäftsgeheimnis. Das wird sich nicht ändern.
  • Es existiert ein Messproblem. Während man bei Facebook vielleicht noch sagen kann, die Anzeige aller Nachrichten der Freunde und abonnierten Seiten wäre die Messlatte, gibt es – wie oben schon dargelegt – keine „objektive“ Ergebnisliste bei Suchen. Woran soll also gemessen werden, ob „richtig“ gefiltert wird? Das kann nur geschehen, wenn ein Kriterienkatalog – im Prinzip ein neuer Filter – geschaffen wird, der dann als Maßstab dienen kann. Also eine Arbeit für jemanden, der gerne viel sinnlos arbeitet und nicht unbedingt positives Feedback von anderen braucht – sozusagen Sisyphos und Bahnchef in einem.

Aus meiner Sicht ist also das alleinige Vertrauen auf die Ethik der Anbieter leichtsinnig und eine öffentliche Kontrolle fast unmöglich. Was also tun?

Selbstbestimmung als Lösung

Bei der Diskussion der Filter-Bubble wird bisweilen gesagt, dass Filter ja etwas ganz natürliches, das Leben in einer Blase normal und damit nicht schlimm sei. Das ist im Prinzip richtig, denn schon unser Gehirn filtert aus den ankommenden Signalen die für uns in dieser Situation relevanten heraus, und wir entscheiden uns schon mit dem Kauf einer bestimmten Zeitung für einen Filter, den der Redaktion nämlich. Der Unterschied zum Web ist nur: Wir sind uns der Filter bewusst und können diese wechseln, wenn und wann wir wollen. Dazu reicht bisweilen schon eine Kopfdrehung oder ein Scharfstellen des Auges, oder eben ein Blick in das Konkurrenzblatt.

Im Web ist das anders: Wir bekommen etwas vorgesetzt, von dem wir gar nicht wissen, ob und wie es gefiltert wurde. Zudem können die Filter ohne unser Wissen wechseln. Zugespitzt könnte man sagen, die Nutzer ähneln der Menschheit in den Matrix-Filmen, die ihre Realität nur vorgespielt bekommt – oder wie Jim Carrey in der Truman Show, der komplett in einer simulierten Welt lebt.

Da Filter nicht abgeschaltet oder in ihren Tiefen kontrolliert werden können, sehe ich nur eine mögliche Lösung: Die Filter müssen auf einer bestimmten Ebene selbst gewählt werden dürfen. So wie man bei Google+ den Anteil seiner Kreise am Nachrichtenstrom regeln kann, sollten Filter zu- und abschaltbar sein. Das können beispielsweise Themen wie „Nachrichten“, „Politik“, „Reise“ oder „Technik“ sein. Jedes Zuschalten eines Filters oder jede neue Kombination der Filter ergibt eine eigene Sicht auf die Ergebnisse. Auch wenn diese Filter selbst aus den genannten Gründen nicht kontrolliert werden können, so ist doch eine gewisse Transparenz hergestellt und man hat als Nutzer Einfluss auf die Auswahl der Informationen.

Ich kann mir sogar Geschäftsmodelle vorstellen, die gegen Bezahlung individuelle Filter entwickeln, die dann auf einer oder mehrerer Suchmaschinen aufsetzen. Aber bis dahin dürfte noch ein Weg mit vielen Diskussionen zu gehen sein.

Heveling und die Kommentare zu den Kommentaren

Eigentlich dachte ich ja, das Thema Heveling ist nun durch, nachdem seine, sagen wir mal, pointierten Aussagen anfangs mit Fassungslosigkeit, dann mit Häme und schließlich mit Spieltrieb durch das Web 2.0 Dorf getrieben wurden. Gestern Abend las ich aber Kommentare, welche die ganze Angelegenheit als solche sehr tiefenentspannd kommentierten. So z.B. Peter Altmeier (Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion) auf Twitter sowie Mirko Lange auf G+. Tenor der beiden Kommentare: Da hat aber einer geschickt die Netzgemeinde „am Nasenring durch die digitale Arena führt“ (ML) und nun „bewerfen sich [die Kinder] begeistert mit Förmchen“ (PA).

Das macht mich wütend.

Denn hier hat nicht ein verwirrter PR-Berater in seinem Blog getrollt, sondern ein Mitglied des Bundestags, der zudem noch Mitglied des Rechtsausschusses, Mitglied der Enquête-Kommission Internet und Digitale Gesellschaft sowie stellvertretendes Mitglied des Kultur- und Medienausschusses ist, in einer angesehenen Wirtschaftszeitung einen Artikel veröffentlicht.

Zur Erinnerung: Ein Mitglied des Bundestags ist einer von den 620 Frauen und Männern, die das Unternehmen Deutschland mit knapp 320 Milliarden Euro Umsatz und über 81 Millionen Mitarbeitern führen. Deren Entscheidungen sind also nicht ganz unwichtig und von einiger Tragweite.

Mein Anspruch an einen MdB ist, dass er intellektuell, fachlich und charakterlich in der Lage ist, unser Land zu führen, auf Herausforderungen zu reagieren und für die Zukunft gut aufzustellen. Und ich vermute einmal, dass ich mit dieser Einstellung nicht alleine bin. Wenn mir nun jemand aus dieser Riege quasi mit Anlauf aufzeigt, dass er diese Anforderungen nicht erfüllt – und zudem noch auf einem Gebiet, was mir persönlich sehr wichtig ist-, dann bin ich sauer und bringe das auch zum Ausdruck. Und auch das geht anderen genauso, wie man das an den Kommentaren sehen kann. Das hat mit Förmchen werfen oder Nasenring nichts zu tun.

Übrigens denke ich, dass ich den Unterschied zwischen pointierter oder auch provozierender Argumentation und zusammenhanglosen Aneinanderreihen von wirren Aussagen erkennen kann. Im Gegensatz zu den mit Sprachwitz und Hintersinn verfassten Kolumnen von Sascha Lobo war der Beitrag von Herrn Heveling frei jeglicher inhaltlicher Argumente und sprachlich auf dem Niveau einer Kriegsberichtserstattung. Selbst bei mehrmaligem Lesen fand ich dort keinen Ansatz, eine Diskussion zum Sachthema zu führen.

Wer das wie Mirko Lange und Peter Altmeier als lustiges Spielchen eines MdB darstellt, den kann ich nicht mehr ernst nehmen. Schade eigentlich, denn ich hatte bisher eine gute Meinung von den beiden.

(Originalbeitrag auf Google+ mit Kommentaren: https://plus.google.com/104135034057747253597/posts/ZqRnA3za2zr)

Guttenberg als EU-Experte: Der Widerhall in der Netzgemeinde [Update]

Karl Theodor zu Guttenberg ist heute als EU-Berater in Fragen der Internetfreiheit in autoritären Regimen von der Kommissarin Neelie Kroes in Brüssel vorgestellt worden. Wie nicht anders zu erwarten, fand die Netzgemeinde das nicht so lustig – oder irgendwie doch. Zumindest tropfte der Sarkasmus aus den meisten Tweets.

[Update] Ein Blick aufs Monitoring-Tool (Sysomos Heartbeat) zeigt die Aufruhr in der Netzgemeinde. Nachdem gestern tagsüber bereits einiges los war, explodierte abends und heute morgen die Trefferanzahl:

guttenberg-hb

Insgesamt waren es fast 5.000 Artikel bzw. Tweets über das Thema. Nach einer schnellen Durchsicht kann ich sagen, dass es entweder neutrale Meldungen (meist von Newsangeboten) oder fassungslose bis satirische Tweets gab. Hier eine subjektive Auswahl der schönsten Ideen:

guttenberg balkonschlfer

map - guttenberg1

map - guttenberg2

guttenberg lobo

guttenberg janboehm

Bei manchen war das Humorpotenzial aber auch aufgebraucht. Verständlicherweise.

guttenberg spielkamp

Fazit: Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, KTG als Internetberater zu installieren – er hat der EU keinen Gefallen getan. Manchmal sollte man eben wirklich Leute fragen, die sich mit den Thema auskennen.

5 Dinge, die ich von Steve Jobs gelernt habe

Steve Jobs ist gestern Nacht gestorben. Die Nachrufe sind mannigfaltig und drehen sich oft um seine Lebensleistung und sein Charisma – berechtigt. Ich mag Macs, iPhone, iPad & Co, bin aber kein fanatischer Apple Fanboy und habe auch keinen Zoo aus Apple-Produkten. Dennoch fasziniert mich die Art, wie Steve Jobs Apple geführt und geprägt hat. Diese fünf Dinge habe ich persönlich für mich abgespeichert:

  • Habe eine Vision.
    Helmut Schmidts Bonmot „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“ mag auf den ersten Blick lustig sein, führt aber zu Kurzsichtigkeit bei Entscheidungen. Steve Jobs hatte seine Vision von der Art, wie Computer das Leben der Menschen erleichtern sollen, und er hat konsequent darauf hingearbeitet.
  • Denke ganzheitlich.
    Dass bei Apple Hardware, Software und Service nahtlos zusammen passen, ist eine Binsenweisheit. Mich beeindruckt immens, wie aber auch das Unternehmen intern als Ganzes gesehen wird: So ist der iPad Bildschirm zusammen mit Partnern entwickelt worden, die Apple dabei auch finanziell unterstützt hat. Dafür bekommt Apple die Technologie für einen Zeitraum exklusiv und günstiger, was die Konkurrenz außen vor hält. Bis diese nachziehen kann, hat Apple schon Stückzahlen erreicht, welche durch die Skaleneffekte Apple einen Vorteil bei den Produktionskosten und damit der Marge verschaffen. Genial.
  • Sei detailversesssen.
    Steve Jobs hat sich selbst auch um Kleinigkeiten beim Design der Produkte gekümmert und sie solange verbessern lassen, bis sie aus seiner Sicht wirklich perfekt waren.
  • Denke immer vom Nutzer aus.
    Es geht nicht darum, irgendein Anwendungsszenario für vorhandene Technik zu finden, sondern aus der Sicht des Nutzers Funktionen zu entwerfen, die er genau so braucht. Nur dann setzt sich ein Produkt wirklich durch.
  • Entscheide. Auch wenn du dabei Fehler machen wirst.
    Auf dem Weg zur Umsetzung der Vision sind viele Entscheidungen zu treffen, und nicht bei allen ist es klar, ob sie richtig sein werden. Doch wenn man nichts entscheidet, findet man das nicht heraus. Und kommt nicht voran.

Schon 1997 hat Steve Jobs nach diesen Grundsätzen gehandelt – zu einer Zeit, wo es undenkbar war, dass Apple einmal das wertvollste Unternehmen der Welt werden sollte. Hier seine Reaktion auf eine sehr direkte (und fast schon beleidigende) Frage auf der WWDC 1997:

Zuerst zählt das Unternehmen: Warum Apple das iPhone 4S gebracht hat und nicht eine Nummer 5

Es herrscht ja allgemein etwas Enttäuschung über das Ausbleiben des iPhone 5 gestern. Mashable hat eine aus meiner Sicht stichhaltige Begründung geliefert, warum erst das 4S kommt und später ein 5:

Die Zwei-Jahres-Verträge der 3GS-Inhaber laufen jetzt aus und das 4S ist das passende Telefon für die Anschlussverträge. Damit die nicht zur Konkurrenz wechseln, wird den Apple-Kunden das nächste iPhone präsentiert. Nächstes Jahr passiert dann das gleiche mit dem 4er-Modell. Dann wird das iPhone 5 vorgestellt.

Schlau. Und das zeigt etwas, das manchmal vergessen wird: Apple ist nicht dazu da, seine Fans bei jeder Präsentation in Verzücken zu versetzen (was auch aufgrund der Erwartungshaltung immer schwieriger wird), sondern um Geld zu verdienen. Und mit solchen genau getimten Aktionen machen sie es (andere schaffen das übrigens bei weitem nicht so gut).

Das zeigt einmal mehr, dass Steve Jobs Apple ganzheitlich sieht und sein Management auch. Die Guru-Auftritte auf den Keynotes haben das etwas überdeckt, was Apple sicher nicht unangenehm war. Mit Tim Cook zieht jetzt etwas Nüchternheit ein. Mal sehen, wie das die Sicht der Apple-Fans auf das Unternehmen verändert.

(Diesen Beitrag habe ich auch auf Google+ eingestellt: https://plus.google.com/104135034057747253597/posts/Pwxd6kNZoKP)

In eigener Sache: Ich leite jetzt das Social Media Monitoring bei altares

Seit einiger Zeit arbeite ich ja bereits mit der altares Mediamonitoring GmbH aus Düsseldorf zusammen. Die Zusammenarbeit begann aus dem Wunsch von altares heraus, das bestehende Media Monitoring Geschäft auf den Sektor Social Media auszuweiten. Sie bestand anfangs nur aus einer engen und sehr freundschaftlichen Kooperation, um einzelne Projekte gemeinsam durchzuführen. Nun ist die Nachfrage nach Social Media Monitoring und damit die Größe und Komplexität des Aufgabengebiets so sehr gewachsen, dass der Inhaber und Geschäftführer der altares Mediamonitoring GmbH, Oliver Range, mich gefragt hat, ob ich nicht die Leitung dieses Bereiches fest übernehmen möchte. Ich brauchte nur einen kurzen Augenblick zu überlegen, bevor ich zusagte – denn die Kombination aus reizvoller Aufgabe, einem klasse Team und spannenden Aussichten findet man so schnell nicht wieder.

So bin ich seit August Leiter Social Media Monitoring bei der altares Mediamonitoring GmbH.

altares Mediamonitoring GmbH

Ich werde demnächst hier etwas ausführlicher dazu schreiben, was mich an Social Media Monitoring so fasziniert. An dieser Stelle daher nur kurz: Für mich hat das Monitoring des Social Webs das Potenzial, ähnlich groß und wichtig für Online-Aktivitäten zu werden wie die „klassische“ Webseiten- und Reichweitenanalyse – mit allem, was dazugehört. Das ist viel. Bis es einmal soweit ist, gibt es allerdings noch viel zu tun. Und das möchte ich mitgestalten.

Für meine aktuellen Kunden werde ich natürlich weiter zur Verfügung stehen. Und da ich davon ausgehe, dass gelegentlich neben der Monitoring-Arbeit noch etwas Zeit bleibt, nehme ich auch gerne neue Projekte oder Vorträge an. Einfach kurz melden: volker.meise@meiseonlinestrategie oder jetzt neu für das Social Media Monitoring: meise@mediamonitoring.de.

Google+: Das Facebook für die Twitter-Gemeinde

Sei Ende letzter Woche hat Google nun nach Wave und Buzz den nächsten Versuch eines Social Media Netzes gestartet und der ist, wie ja auch schon häufig zu lesen ist, ganz gut gelungen. Nun wird natürlich spekuliert, ob Google+ Facebook „killen“ kann oder wie sich das Kräfteverhältnis der sozialen Netzwerke in Zukunft entwickeln wird. Dazu habe ich mittlerweile auch eine Meinung, die ich natürlich nicht verschweigen will. Vorher aber ein Blick darauf, was Google diesmal richtig gemacht hat.

Was an Google+ gut ist

Google+/Twitter/FacebookEin bisschen unfreiwillig hatte Google ja ausreichend Zeit sich anzugucken, welche Funktionen bei den anderen Netzwerken wirklich wichtig sind und welche weniger, um dann daraus das Beste herauszupicken und mit eigenen Ideen zu einer runden Lösung zusammenzusetzen:

  • Die Offenheit von Twitter: Das Besondere (und Neue) an Twitter war nicht die Beschränkung auf 140 Zeichen, sondern die Möglichkeit, wildfremden Personen zu folgen, ohne dass man eine 1:1 Beziehung zu ihnen aufbaut wie bei Facebook. Wenn man sich für die Themen eines Twitterers interessiert, dann heißt das ja noch lange nicht, dass dieser es spannend findet, was man selbst so treibt. Auf Twitter hat sich so eine neue Art der Informationsverbreitung und auch offene Diskussionskultur entwickelt, die es vorher in dieser Form nicht gab und die für mich den großen Reiz des Dienstes ausmacht.
  • Die „Pinnwand“-Logik von Facebook: So gut Twitter beim schnellen Verbreiten von Nachrichten ist, so schlecht kann man diskutieren – zumindest, wenn sich nicht alle Diskutanten gegenseitig folgen. Die Beiträge gehen dann im Strom der Timeline unter. Bei Facebook – und jetzt bei Google+ – passiert das nicht. Diskussionen machen jetzt richtig Spaß, da man schnell überlesen kann, was von wem geschrieben wurde.
  • Die „Circles“-Nutzerverwaltung von Google+: Wer bei Facebook nicht allen alles erzählen will, hat ein Problem. Die Verwaltung der Freunde und der zugehörigen Rechte ist so kompliziert, dass man ohne mehrtägigem Social Media Lehrgang kaum etwas richtig, aber viel falsch machen kann. Google zeigt jetzt mit dem Circles-Konzept, wie es sein soll: Einteilung der Nutzer in beliebige Kreise per Drag und Drop und einfache Zuweisung der Kreise, denen ich etwas schicken will. Top-Usability. Wenn jetzt noch eine Meta-Verwaltung wie „alle Kreise ohne ‚Social Media Trolle'“ dazukommt, ist es perfekt.

Die anderen Features von Google+ wie Hangouts, Sparks, Foto-Galerie usw. sind ebenfalls fast durchweg klasse umgesetzt, aber meines Ermessens keine „Killerkriterien“.

Die Zukunft: Facebook muss sich keine Sorgen machen, Twitter schon

Wie nicht anders zu erwarten war, wurden Berichte über Google+ schon mit „Facebook-Killer“ oder „Nicht so gut wie Facebook“ überschrieben. Abgesehen dazu dass es für solche kernigen Voraussagen etwas früh ist: Es ist genug Platz für alle da. Google+ wird seinen Platz finden, für mich stellt sich nur die Frage, wem es mehr Nutzer abzieht. Und das ist meiner Meinung nach eindeutig – und leider – Twitter.
Denn abgesehen davon, dass der Tanker Facebook mit über 700 Millionen Nutzern sich nicht so einfach stoppen lässt, ist Facebook mit seinem Ökosystem an Funktionen, Apps und Seiten so eng und gut in die private Lebenswelt vieler Nutzer integriert, dass sie schlicht keine Notwendigkeit sehen, Facebook aufzugeben und sich bei Google+ neue Freundeskreise aufzubauen. Es mag sein, dass sich Facebooks Wachstum etwas verlangsamt, aber „killen“ wird Google+ Facebook nicht.
Mehr Sorgen mache ich mir um Twitter. Denn die Kernfunktion „schnell und einfach Informationen verbreiten“ geht mit Google+ genauso gut – zusätzlich kann ich aber deutlich besser diskutieren und damit kommunizieren und meine Nachrichten auch genau der Zielgruppe schicken, die sie lesen soll. Und die ganzen Funktionen wie Foto-Upload usw., die man bei Twitter über Zusatzdienste einbinden muss, sind bei Google+ schon integriert.

Fazit: digital home for digital natives

Google+ hat das Potenzial, Twitter als Nachrichtenkanal abzulösen oder zumindest deutlich Nutzer abzuwerben. Facebook wird für die breite Masse weiterhin das Netz der Wahl sein. Viele Informations-Junkies und digitalen Medienmenschen (dazu zähle ich mich auch) werden aber in Google+ ihre neue Heimat finden. Und wenn Konkurrenz wie üblich das Geschäft belebt, werden alle bald viele neue spannende Funktionen in ihrem bevorzugten Netz finden. Vielleicht findet dann ja doch noch ein Entwickler das „Killer“-Feature.

Ach übrigens, ich bin bei Google+ natürlich auch zu finden.

Durchbruch der Location Based Services? – Vortrag auf der HIS 2011

Gestern habe ich auf der Tagung „Handelsinformationssysteme – IT im Verbund“ einen Vortrag über Location Based Services, also ortsbezogene Dienste wie Foursquare oder Facebook Places gehalten. Die Tagung wird jährlich von meinem alten Lehrstuhl Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement an der WWU Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Becker und PD Dr. Axel Winkelmann organisiert. Nachdem ich die allererste Tagung 1997 selbst mit organisiert hatte, war es für mich eine besondere Freude, an die alte Wirkungsstätte zurückzukehren und nun nicht nur hinter den Kulissen, sondern auch vor der Leinwand zu stehen.

HIS

Aber abseits der persönlichen Gefühle wollte ich zur Bereitstellung meiner Vortragsfolien ein paar Eindrücke wiedergeben, die mir bei der Vorbereitung in den Sinn gekommen sind. Die Folien selbst geben einen schnellen Überblick über die Logik und die Aussichten für Location Based Services (LBS). Kennern der Materie werden sie nichts Neues verraten, Einsteiger bekommen aber (hoffentlich) einige Anregungen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich möchte auf diese Punkte hinweisen:

„The Next Big Thing“ mit Hindernissen

  • Grundsätzlich stimmen die Rahmenbedingungen, um Locations Based Services als ein „Next Big Thing“ werden zu lassen: Die Vorteile aus Kundensicht, die Unterstützung großer Unternehmen mit einer riesigen Kundenbasis, die neuen Möglichkeiten in Vertrieb und Marketing für lokale Geschäfte und die technische Umsetzbarkeit.
  • Dennoch scheinen die LBS zuerzeit an einem kritischen Punkt zu sein: Es gibt erste Berichte aus den USA, dass Check-Ins abnehmen, doch nicht so viele Geschäfte besondere Angebote für LBS-Nutzer bereitstellen und dass einige Start-Ups aus dem Bereich bereits die Segel gestrichen haben.
  • Aus meiner Sicht liegt das an den zurzeit technischen Unzulänglichkeiten und den Problemen, die sich daraus ergeben: Die Ortung per GPS ist enorm stromfressend, sodass sie nicht von alles Smartphone-Nutzern eingesetzt wird. Mittels Funk oder WLAN lässt sich aber der Aufenthaltsort nur sehr ungenau bestimmen, sodass eine präzise Abstimmung von Aktionen nicht möglich ist. Solange man auch hunderte von Metern entfernt von einem Geschäft dort einchecken kann, wird sich jeder Inhaber überlegen, ob er Check-Ins belohnt, wenn doch keiner seinen Laden betritt.
  • Dass die Logik der LBS funktioniert, zeigt das Beispiel von Best Buy in den USA. Nach neunmonatiger Testphase wird dort jetzt das eigene LBS-System auf alle knapp 1.300 Fillialen ausgeweitet. Nutzer werden belohnt, wenn sie nur die Filiale betreten. Das interessante ist dabei, dass Best Buy nicht Dienste wie Foursquare oder Facebook Places nutzt, sondern eine eigene App einsetzt. Diese funktioniert auf der Basis von (unhörbaren) Audio-Signalen, die in der Filiale erzeugt und durch das Mikrofon des Smartphones aufgenommen werden. So wird sichergestellt, dass sich der Nutzer auch wirklich in einem Best-Buy Laden befindet und nicht nur dort ohne Einkauf vorbeiläuft.

Der Erfolg der LBS scheint davon abzuhängen, wie schnell eine genauere und komfortabel Ortung der Smartphone möglich ist. Die Lösung ist mit Near Field Communication (NFC) bereits vorhanden, Google und Samsung bauen sie in ihre neuesten Handys auch ein. Gerüchteweise soll auch Apple im nächsten iPhone NFC unterstützen, allerdings war auf Steve Jobs Keynote der WWDC nichts davon zu hören, auch das neue iOS scheint keine NFC-Unterstützung zu bieten. Sollte die NFC-Verbreitung nicht vorankommen, könnte es also eng werden für die bestehenden LBS-Dienste. Werden sich allerdings Google & Co. durchsetzen, so entsteht hier ein riesiges Wachstumsfeld mit ganz neuen Anwendungsfällen.

Wie würde der Kaiser sagen: Schaun mer mal. Es bleibt spannend.

Direkter Download der Folien (PDF 1,6MB)

Der ESC auf Twitter – ein Riesenspaß

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass TV und Social Media ziemlich gut zusammen passen, dann hätte der Eurovision Song Contest die letzten Zweifel zerstreut. Die Show an sich war ja schon klasse, noch deutlich höher war der Unterhaltungswert aber, wenn man sich die Kommentare über Twitter dazu anschaute – zumindest in meiner Timeline. Ich habe teilweise Tränen gelacht über die Tweets. Meine fünf Favoriten will ich deshalb hier kurz vorstellen, verbunden mit dem besten Dank an die Urheber für einen Riesenspaß.

Die Nummer 5: @50hz über Mika Newton, Ukraine

Mika Newton, Ukraine50hz

Die Nummer 4: @luebue über Nina, Serbien

Nina, Serbienluebue

(Er war übrigens nicht der Einzige mit dieser Assoziation)

Die Nummer 3: @jayzon277 über Eldrine, Georgien

Eldrine, Georgienjayzon277

Die Nummer 2: @r8r über Nadine Beiler, Österreich

Nadine Bailer - Österreichr8r

Die Nummer 1: @scherzinfarkt über Maja Keuc, Slowenien

Maja Keuc, Slowenien scherzinforkt

Twitter und TV können eine herrliche Kombination sein. Der Nachteil ist allerdings, dass man vor lauter Lesen und Aktualisieren kaum noch was von der eigentlichen Sendung mitbekommt – zumindest dann, wenn die #esc-Tweets so durchrauschen wie am Samstag. Im Falle des ESC wäre das schade gewesen, denn die gesamte Show war großartig. Einen Riesendank deshalb an Lena, die Moderatoren und alle Organisatoren, die diese Show auf die Beine gestellt haben!

[Update: In der ersten Version hatte ich den Tweet von @jayzon277 fälschlicherweise Hotel FM aus Rumänien zugeordnet – sorry. Das hätte ich mir aber auch merken können – siehe @jayzon277s Hinweis 🙂 ]

[Update 2: Was ich noch sagen wollte: Meine persönlichen Favoriten des Abends konnte man leider nicht wählen. Das waren Stefam Raab und Lena mit ihrem großartigen „Satellite“-Intro am Beginn der Show. Zu sehen jetzt auch auf YouTube.]