Unter den Top 10 Twitterern in Deutschland – ohne zu wissen, warum. Oder: wie man Fake-Follower nachweist.

Der Steuerberater Juliuan Holthaus rangiert als @jholthaus derzeit unter den Top 10 Twitterern in Deutschland – mit über 330.000 Followern. Eins unterscheidet ihn aber von seinen berühmten Nachbarn in dieser Liste: Er hat keinen blassen Schimmer, warum. Julian Holthaus ist Steuerberater in Münster und hat bisher nur ein paar Tweets geschrieben – nichts, was die große Menge an Followern erkläten würde. Daher wandte er sich an Ralf Heimann von der Münsterschen Zeitung, selbst ein erfahrener Twitterer, um Rat. Dieser rief spontan eine Münsteraner Online-Arbeitsgruppe ein, bestehend aus Christoph Salzig, Inhaber von pr//ip, Kai Heddergott, Kommunikationsberater, und mir (hier in meiner Eigenschaft als Monitoring-Spezialist bei altares Mediamonitoring).

Wir waren uns schnell einig, dass diese Menge an Followern nur aus künstlichen Followern, also Fakes, bestehen kann. Ein Blick in das Monitoring-Tool Sysomos MAP zeigte schnell, dass vieles für diese Vermutung spricht: Die Analyse von 168.000 der 330.000 Followern von jholthaus zeigt, dass alle diese Follower zwischen dem 7.12.2011 und dem 24.10.2012 angelegt wurden. Keiner der Follower hat selbst mehr als 241 Follower, keiner folgt mehr als 2003 anderen Twitterern. Von einer zu erwartenden zufälligen Verteilung der Zahlen keine Spur. Darüber hinaus zeigte die Durchsicht zufälliger Followerprofile, dass Namen und Biografien häufig nicht zusammen passen. Erstere sind wahrscheinlich erfunden, letztere von anderen Profilen kopiert. Klare Hinweise, dass hier ein Follower-Generierungsprogramm am Werk war.

Die Frage war jetzt nur: Wie kommen diese Follower zustande, ohne dass der Begünstigte etwas dafür getan hat. Christoph fand es heraus: In den USA wirbt ein Programmierer namens T.J.Holthaus – selbst mit über 440.000 Followers – unter dem Account @tjholthausfür den „EASY WAY TO GET FREE FOLLOWERS“. Der Vergleich der Accounts (wieder mit Sysomos MAP) zeigte deutliche Ähnlichkeiten beider Followerprofile bei der geografischen Herkunft der Follower, der Biografien und anderer Merkmale. Da liegt die Vermutung nahe: Beide haben Ihre Follower aus der gleichen Quelle. Und irgendwo hat der zuständige Programmierer wohl ein „t“ vergessen, sodass die Fake-Accounts plötzlich @jholthaus anstatt @tjholthaus folgen…

Nun freut sich Julian Holthaus über die Aufdeckung seines rätselhaften Followerwachstums – nachzulesen in der Münsterschen Zeitung:http://www.muensterschezeitung.de/lokales/muenster/Wie-ein-Steuerberater-aus-Muenster-Twitter-Star-wurde;art993,1888504

(Update: Christoph Salzig hat die Geschichte jetzt auch verbloggt: http://www.pr-ip.de/pripblog/mehr-follower-als-bushido-aber-keine-relevanz-die-seltsame-geschichte-von-jholthaus).

Twitter kauft Posterous – um sich Google+ anzunähern?

Gestern gab Twitter bekannt, dass sie die Posterous geklauft haben (hier der Blogeintrag). Posterous zeichnet sich dadurch aus, dass man sehr einfach ein Blog aufsetzen und dies per E-Mail befüllen kann (Sascha Lobo hat das einmal als „Bloggen mit Stützrädern“ bezeichnet). Nun fragen sich viele, warum Twitter diesen Schritt vollzogen hat: So z.B. Nico Lumma (http://lumma.de/2012/03/12/twitter-kauft-posterous-auf-suche-nach-geschaeftsmodell/) oder Caschy (http://stadt-bremerhaven.de/twitter-kauft-posterous/). Die meisten Kommentatoren wundern sich über diesen Schritt und fragen sich, was er über Twitters zukünftige Strategie aussagt. Für mich sind es zwei Hauptaspekte:

  • Twitter braucht dringend fähige Entwickler. Mit dem Posterous-Team bekommt Twitter ein Team, welches sich genau in der Branche hervorragend auskennt und sofort einsatzfähig ist. Sehr wertvoll.
  • Twitter orientiert sich an Google+. Twitter hat gesehen, dass das Konzept von Google+, kurze Beiträge mit einer einfachen Kommentarfunktion zu verbinden, genau in die Lücke zwischen Twitter und Blogs trifft und genau deswegen auch so erfolgreich ist. Ich vermute stark, dass Twitter Posterous integrieren wird und so sich an das Google+-Konzept annähern wird. Bei G+ findet man häufiger den Wunsch, G+-Beiträge inklusive Diskussionen als eigenes Blog zu spiegeln. Genau das könnte eine Kombination aus Twitter und Posterous schaffen.

Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das neue Tamdem entwickeln wird.

Zum Thema hier noch die Wortwolke aus den deutschsprachigen Treffern von heute morgen (Quelle: Sysomos MAP):

Wortwolke zu Twitter und Posterous