Warum Social Media doch nichts für Unternehmen ist

Folgende vertrauliche Analyse aus einem Unternehmen ist mir letztens per E-Mail zugespielt worden. Ich veröffentliche sie hier mit unkenntlich gemachten Firmennamen. Sie zeigt deutlich, warum Social Media in Unternehmen noch einen schweren Stand hat:

—–Ursprüngliche Nachricht—–

Von: Huber, Ulf (UL-MKT Marketing) [mailto:Ulf.Huber@….de]
<;strong>Gesendet: Montag, 3. Mai 2010 13:40
An: Meyer-Schimbeck, Arno (UL-1 Geschaeftsfuehrung)
Betreff: Social Media Analyse

Sehr geehrter Herr Meyer-Schimbeck,

Sie hatten mich ja neulich mit der Untersuchung beauftragt, ob diese neuen Social Media-Sachen etwas für unsere Firma sind. Ich habe mit natürlich gleich in die Arbeit gestürzt. Ich kann Ihnen sagen, das ist alles gar nicht so einfach.

Als letztens dieser Coach hier war, klang ja anfangs alles noch ganz toll. Wir müssen uns nur bei ein paar Internet-Seiten anmelden und dort einfach nur so tun, wie wir wirklich sind, dann sprechen bald alle über uns und die Produkte verkaufen sich wie von selbst. Schon da wurde ich skeptisch! Kunden kaufen nicht nur Produkte, sie benutzen sie auch – und schreiben drüber! Das kann nicht gutgehen! Die Kunden können doch nicht einfach so drauflos schreiben, ohne uns zu fragen! Die verstehen doch gar nicht, was hinter den Produkten steckt.

Zum Beispiel unsere Initiative “Weniger ist mehr”: Sie haben doch gesagt, dass wir sparen müssen. Da haben wir natürlich gleich angefangen: In der Entwicklung haben wir den Kollegen gesagt, sie sollen nun nicht mehr soviel testen. Wir wollen schließlich die Produkte verkaufen, nicht selbst kaputtmachen. Das machen dann schon die Kunden für uns. Das Zeug muss raus! Controlling drängte auch schon – der Umsatz ist eingeplant, da muss das jetzt auf den Markt. Das merkt eh keiner, wenn’s noch nicht ganz fertig ist, sagen Sie ja immer. Wenn die Kunden jetzt aber darüber schreiben, weiß ich nicht, ob das so gut ist. Die könnten sich auch über das neue Plastik beschweren. Der Einkauf macht ja auch mit bei der Initiative und wollte es ganz billig haben. Da musste wieder China ran, die machen das immer zum Sonderpreis. Sogar die Bedienungsanleitung ist im Preis mit drin!

Für den Kundenservice ist das übrigens nicht so schlimm, wie man sich denken könnte. Die Damen dort sind sowieso überlastet, da macht ein Produkt mehr oder weniger auch nichts aus. Und der Schulze meint, mit der neuen 01805er-Warteschleife verdienen wir richtig gut. Er überlegt jetzt, absichtlich kaputte Produkte rauszuschicken. An der Hotline verdienen wir mehr als mit den eigentlichen Produkten, sagt er. Ich werde nachher mal dafür einen Businessplan entwickeln.

Dieser Coach meinte ja auch, wir sollten Zwitschern. Das müsste man jetzt so machen. Ich habe daraufhin dem Müller aus meiner Abteilung gesagt, er solle das mal Ausprobieren. Das hat er auch gleich gemacht, abends im Vereinsheim – ist ihm nicht gut bekommen. Piepenkötter aus dem Vertrieb hat Müller dann nach Hause geschleppt und hat es jetzt im Rücken. Also für den Vertrieb ist Zwitschern nichts. Da brauch mir der Coach nicht mehr mit kommen.

Und als ich meiner Frau abends erzählte, dass wir jetzt virale Werbung machen sollen, hat sie mich sofort zum Impfen geschickt. Die beim Arzt haben mich ganz schön blöd angeguckt, als ich mich gegen Twitter und Spots impfen lassen wollte. Klingt ja fast wie eine Geschlechtskrankheit. Habe dann die Impfung gegen Schweinegrippe genommen, die hilft bestimmt auch.

Was soll ich sagen. Dieses Social Media ist nichts für uns. Ich habe jetzt wieder die Anzeige in der Bäckerblume in Auftrag gegeben, die findet Ihre Frau doch auch immer so gut. Dem Coach habe ich gesagt, er brauche nicht mehr wiederkommen. Den sparen wir uns auch gleich mit.

Hochachtungsvoll

Huber